Sprüche über Mensch
938 Sprüche — Seite 32
Zwischen Vernunft und Irrtum, Mitgefühl und Überheblichkeit bewegt sich das Bild vom Menschen seit jeher. Kein anderes Wesen kann so viel erschaffen, zerstören, hoffen, erinnern und sich zugleich über sich selbst täuschen. Darin liegt die Faszination dieses Themas, das nie nur Bewunderung, sondern immer auch Selbstprüfung verlangt.
Seine Widersprüchlichkeit ist kein Makel am Rand, sondern der eigentliche Kern des Menschseins. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Würde und Schwäche, Verantwortung und Verblendung und zeigen, wie eng Größe und Fehlbarkeit im menschlichen Wesen miteinander verflochten sind.
Was ein Mensch in der Welt auch tue, und sei es noch so weitwirkend: Hat er nicht seine Pflicht gegen seine Eltern erfüllt, so ist alles andere hinfällig.
— Solon
Mensch, werde wesentlich, denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht
— Angelus Silesius
Das kleine Wörtchen "muß" ist doch von allen Nüssen, die Menschen knacken müssen, die allerhärt’ste Nuß.
— Ludwig Bechstein
Der materielle Fortschritt befriedigt keines der Bedürfnisse, die der Mensch wirklich hat.
— Winston Churchill
Glücklich das Volk, dessen Geschichte sich langweilig liest.
— Charles-Louis de Montesquieu
Alle kräftigen Menschen lieben das Leben.
— Christian Johann Heinrich Heine
Wenn alle Leute wären reich, und alle Leute wären gleich, und wären all' zu Tisch gesessen- wer wollt' auftragen Trinken und Essen?
Bist mit dem Glauben du gesegnet an Menschen, gib ihn nicht verloren, wenn unter einer Herde Toren dir auch einmal ein Schuft begegnet!
— Heinrich Leuthold
Kein Mensch ist gut genug, einen anderen Menschen ohne dessen Zustimmung zu regieren.
— Benjamin Franklin
Der Mensch beginnt nicht leicht zu denken. Sobald er aber erst einmal den Anfang damit gemacht hat, hört er nicht mehr auf.
— Jean-Jacques Rousseau
Meiner Idee nach ist Energie die erste und einzige Tugend des Menschen.
— Wilhelm von Humboldt
Mit der Energie aber schwindet jede andre Tugend hin. Ohne sie wird der Mensch Maschine. Man bewundert, was er tut; man verachtet, was er ist.
— Wilhelm von Humboldt
Je mehr ein Mensch weiß, desto weniger ahnt er.
— Hermann Bahr
Der Mensch ist das einzige Tier, das lacht und weint. Denn er ist das einzige Tier, das den Unterschied erkennt zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte.
— William Hazlitt
Viel übles hab' an Menschen ich bemerkt; das schlimmste ist ein unversöhnlich Herz.
— Franz Grillparzer
Kein Mensch ist unersetzbar.
— Wilhelm von Humboldt
Der Mensch wird wie der Stahl hart - durch öfteres Abkühlen nach Erhitzung.
— Jean Paul
Ein gerader Mensch scheut nicht die freundschaftlichen Geschwätze, die aus dem Rausche hervorgehen.
— Jean-Jacques Rousseau
Ein gelassener Mensch kann sogar Steine weich kochen und den Sud genießen.
Um anderer Leute Fehler zu sehen, verwandeln manche Menschen ihre Augen in Mikroskope
— Georg Christoph Lichtenberg