972 Sprüche — Seite 5
Zwischen Vernunft und Irrtum, Mitgefühl und Überheblichkeit bewegt sich das Bild vom Menschen seit jeher. Kein anderes Wesen kann so viel erschaffen, zerstören, hoffen, erinnern und sich zugleich über sich selbst täuschen. Darin liegt die Faszination dieses Themas, das nie nur Bewunderung, sondern immer auch Selbstprüfung verlangt.
Seine Widersprüchlichkeit ist kein Makel am Rand, sondern der eigentliche Kern des Menschseins. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Würde und Schwäche, Verantwortung und Verblendung und zeigen, wie eng Größe und Fehlbarkeit im menschlichen Wesen miteinander verflochten sind.
Ein Egoist ist ein Mensch, der nicht an mich denkt.
— Eugène Labiche
Die Mehrzahl der Menschen ist so: Macht man ihnen bescheiden Platz, so werden sie unverschämt. Versetzt man ihnen aber Ellbogenstöße und tritt ihnen auf die Füße, so ziehen sie den Hut.
— Johann Nepomuk Nestroy
Ein jeder Mensch hat rechtmässigen Anspruch auf Achtung von seinen Nebenmenschen, und wechselseitig ist er dazu auch gegen jeden anderen verbunden.
— Immanuel Kant
Nicht Sprüche sind es, woran es fehlt; die Bücher sind voll davon. Woran es fehlt, sind Menschen, die sie anwenden
— Epiktet
Zuerst die gute Nachricht: Das Glück begegnet uns in ganz vielen Farben. Jetzt die schlechte Nachricht: Die meisten Menschen sind farbenblind.
— Rainer Haak
Einen Menschen erziehen, heißt, seinen Willen bestimmen, ihn gut erziehen, heißt, seinen Willen gewöhnen, stets nur das Gute zu erstreben.
— Paul de Lagarde
Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt, er ist nur ein Strang dieses Netzes. Was immer er dem Netz antut, tut er sich selbst an
Die Tugend eines Menschen sollte nicht an seinen besonderen Leistungen gemessen werden, sondern an seinen alltäglichen.
— Blaise Pascal
Mach Freundschaft mit eines Menschen Güte, nicht mit seinem Gut
Das Wunderbare am Menschen ist, dass er wohl derselbe bleibt, aber nicht der gleiche.
— Wilhelm Raabe
Ohne einen feinen Beisatz von Selbstironie ist jeder Mensch mehr oder weniger ungenießbar. Daher gibt es so viele Ungenießbare.
— Theodor Fontane
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüber stehst.
— Christian Morgenstern
Die meisten Menschen können sich in Gesellschaft nur auf Kosten anderer unterhalten.
— Marquis de Vauvenargues
Die Natur hat das Gesäß für die Ruhe geschaffen, da die Tiere ja stehen können, ohne müde zu werden, der Mensch jedoch seiner Sitzfläche bedarf.
— Aristoteles
Moral ist eine Wichtigtuerei des Menschen vor der Natur.
— Friedrich Nietzsche
Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann.
— John Steinbeck
Bei den meisten Menschen ist die Ruhe nichts als Erstarrung und die Bewegung nichts als Raserei.
— Epikur
Ich könnte mir vorstellen, dass ein Mensch auf die Erde hinabblickt und behauptet, es gebe keinen Gott; aber es will mir nicht in den Sinn, dass einer zum Himmel aufschaut und Gott leugnet.
— Abraham Lincoln
Jeder Mensch hat die Chance, mindestens einen Teil der Welt zu verbessern, nämlich sich selbst.
— Paul de Lagarde
Die meisten Menschen geben ihre Laster erst auf, wenn sie ihnen Beschwerden machen
— William Somerset Maugham