Sprüche über Mensch
938 Sprüche — Seite 37
Zwischen Vernunft und Irrtum, Mitgefühl und Überheblichkeit bewegt sich das Bild vom Menschen seit jeher. Kein anderes Wesen kann so viel erschaffen, zerstören, hoffen, erinnern und sich zugleich über sich selbst täuschen. Darin liegt die Faszination dieses Themas, das nie nur Bewunderung, sondern immer auch Selbstprüfung verlangt.
Seine Widersprüchlichkeit ist kein Makel am Rand, sondern der eigentliche Kern des Menschseins. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Würde und Schwäche, Verantwortung und Verblendung und zeigen, wie eng Größe und Fehlbarkeit im menschlichen Wesen miteinander verflochten sind.
Ein Pedant ist ein Mensch, der geistig schlecht verdaut.
— Jules Renard
In seiner Kühnheit, alles in Kauf zu nehmen, stürzt sich der Mensch in verbotene Frevel.
— Horaz
Indessen ist es bezeichnend für die menschliche Eitelkeit, dass sich jeder einbildet, das ganze All kümmere sich um seine kleinsten Sorgen.
— Jonathan Swift
Sinnlich beginnt der Mensch, dann denkt er, endlich glaubt er.
— Ludwig Börne
Studiere die Menschen, nicht um sie zu überlisten und auszubeuten, sondern um das Gute in Ihnen aufzuwecken und in Bewegung zu setzen.
— Gottfried Keller
Eine jede Arbeit, welche den Menschen in Anspruch nimmt, macht den Menschen still und bewirkt, dass er sich in das gesellschaftliche Gefüge seiner Stelle einordnet.
— Carl Friedrich Paul Ernst
Nicht dem Menschen, der Gottheit nur geziemt die Rach' und Strafe.
— Christian Dietrich Grabbe
Das ist des Menschen Ruhm: Zu wissen, dass unendlich sein Ziel ist und doch nie still zu stehen im Lauf.
— Friedrich Schleiermacher
Die Gesetze der Natur sind wunderbar, aber ihr Räderwerk zermalmt viele Insekten wie die Regierungen viele Menschen.
— Antoine de Rivarol
Erträglich ist der Mensch als Einzelner. Im Haufen steht er der Tierwelt zu nah.
— Franz Grillparzer
Wenn man die Menschen lehrt, wie sie denken sollen, und nicht, was sie denken sollen, so wird auch dem Mißverständnis vorgebeugt.
— Georg Christoph Lichtenberg
Das ganze Glück des Menschen besteht darin, bei anderen Achtung zu genießen.
— Blaise Pascal
Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswert.
— Johann Wolfgang von Goethe
Der Mensch bedarf des Lobes fast wie der Nahrung.
— Emanuel Wertheimer
Wenn ein Mensch mit Gott gut steht, der steht wohl, wenn's übel geht; denn er kann die höchsten Gaben, Vater, Bruder, Tröster haben.
— Friedrich von Logau
Der Mensch tut nicht alles aus sich selbst, er arbeitet auch dem Schicksal in die Hände.
— Ludwig Anzengruber
Ohne Ehe ist der Mensch überall und nirgends zu Hause.
— Bogumil Goltz
Jeder Mensch hat ein Gewissen. Es mahnt ihn, er soll nichts fürchten und soll nichts versäumen, was das Herz von ihm fordert.
— Bettina von Arnim
Jeder Mensch ist, wie alle, unvollkommen in allem, aber dennoch in irgendeiner Hinsicht vollkommener als in anderer; und so stellt er diese Vollkommenheiten den anderen Menschen gegenüber als Forderu …
— Leo Tolstoi
Die Menschen werden selten durch fremden Schaden klug
— Adolph Kolping