707 Sprüche — Seite 39
Kaum etwas ordnet den Alltag so nüchtern und beeinflusst zugleich so stark die Vorstellungen von Freiheit, Sicherheit und Ansehen wie Geld. Es erleichtert vieles, ersetzt aber weder Sinn noch Charakter und wird gerade dadurch zu einem aufschlussreichen Maßstab menschlicher Wünsche. Deshalb ist dieses Thema stets auch ein moralisches.
Seine Ambivalenz zeigt sich darin, dass es nützen und verführen, schützen und entstellen kann. Die Sprüche zu diesem Thema fragen nach Maß, Wert und Abhängigkeit und erinnern daran, dass Reichtum ohne innere Ordnung oft ärmer wirkt als Bescheidenheit mit klarem Blick für das Wesentliche.
Wer nichts im Beutel hat, muss mit der Haut zahlen.
Wenn der große Beutel kommt, so verwirft man den kleinen.
So geht es in der Welt, der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.
Alte Diener, Hund und Pferd sind bei Hof in gleichem Wert.
Leichter ein Dorf vertan als ein Haus erworben
Ein Edelstein gilt so viel, als ein reicher Narr dafür geben will
Ehrlich macht reich, aber langsam geht's her.
Wer sein eigner Herr kann sein, geh' keinen Dienst bei Herren ein.
E i n Pfennig in der Sparbüchse macht mehr Gerassel, als wenn sie voll wäre
Wer will wohl und selig sterben, lass sein Gut den rechten Erben
Du hast noch kein Erbe mit ihnen geteilt!
Wo ein schöner Fleck ist, da schmeißt der Teufel ein Kloster hin oder einen Edelmann
Was die Frau erspart, ist so gut, als was der Mann erwirbt
Wenn der Mann einlöffelt und die Frau ausscheffelt, muss die Wirtschaft zugrunde gehen
Eine Frau kann mit dem Fingerhut mehr verschütten, als der Mann mit dem Eimer schöpfen kann
Die Frau kann mit der Schürze mehr aus dem Hause tragen, als der Mann mit dem Erntewagen einfährt.
Freiheit und eigener Herd sind großes Geldes wert
Eine Kuh im Frieden ist besser als drei im Kriege
Besser ein Ei im Frieden als ein Ochs im Kriege
Fried und ein neugebautes Haus sind nimmer zu teuer