548 Sprüche — Seite 31
Was jemand besitzt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, was ihn innerlich trägt. Besitz kann Sicherheit geben, Gewohnheiten ordnen und Wünsche befriedigen, doch er wirft immer auch die Frage auf, ob der Mensch Dinge hat oder längst von ihnen bestimmt wird. Deshalb ist dieses Thema von stiller philosophischer Schärfe.
Sein eigentliches Gewicht liegt im Verhältnis zwischen Haben und Genügen. Die Sprüche zu diesem Thema fragen danach, wie viel Eigentum Freiheit schafft, wo Abhängigkeit beginnt und warum nicht selten das, was man festhalten will, allmählich selbst Besitz über den Menschen gewinnt.
Optimistisch sein, nachdem man alles hat, was man sich wünscht, zählt nicht.
— Kin Hubbard
Das gehört auch zu den Wundern des Lebens, dass die Menschen das Größte, was sie besitzen, wieder vergessen können.
— August Pauly
Dass wir ein Inneres besitzen, von dem wir die Welt ausschließen können, in das auch kein König einbrechen kann, das ist doch ein herrliches Gefühl.
— August Pauly
Wir haben auch unter uns Menschen solche Tiefseefische mit großen gierigen Augen und gewaltigen Mäulern, welche umherschießen, um den Nutzen zu verschlingen.
— August Pauly
Mehr noch als der Reiche, der sein Geld in eisernen Truhen verwahrt hat, musst du vor dem Räuber Schicksal zittern, der du deine Schätze in Menschenherzen angelegt hast.
— August Pauly
Unser ganzes Leben hindurch zieht die Erde an uns, als wollte sie uns Flüchtlinge wieder haben, und endlich bekommt sie uns auch.
— August Pauly
Es gibt keine materielle Macht, welche den sittlichen Mächten über den Kopf wachsen könnte, ohne den Untergang ihrer selbst vorzubereiten.
— August Pauly
Wenn das Große einmal der Menge gehört, ist es ein Götze geworden.
— August Pauly
Es muss doch an jedem Menschen etwas Wertvolles sein, dass man ihn zuletzt wie einen Schatz vergräbt.
— August Pauly
Mit dem Lernen betrügen wir die Zeit, die alles mit sich fortnimmt. Sie muss uns etwas zurücklassen.
— August Pauly
Wenn man Brot und Wasser hat, dann darf man sogar mit Zeus an Glückseligkeit wetteifern.
— Epikur
Wer äußere Dinge als letzte Ziele erstrebt, kann nicht zur inneren Freiheit durchdringen.
— Friedrich Paulsen
Für beides danken, für das, was wir haben,und für das, was wir nicht brauchen.
— Christian Geyer
Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.
— Jakob Wassermann
Steck deine Interessen nicht in Geld, sondern dein Geld in deine Interessen.
— Oliver Wendell Holmes
Unrecht Gut kommt nicht an den dritten Erben.
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Gäbe man einem Menschen alle Herrlichkeit der Welt, was hilft's, wenn er keinen Freund hat, dem er es sagen kann?
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Hast du Geld, so tritt herfür, hast du keins, so such die Tür.
Mein Pfennig ist deines Pfennigs Bruder.
E i n Pfennig klingt nicht.