548 Sprüche — Seite 35
Was jemand besitzt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, was ihn innerlich trägt. Besitz kann Sicherheit geben, Gewohnheiten ordnen und Wünsche befriedigen, doch er wirft immer auch die Frage auf, ob der Mensch Dinge hat oder längst von ihnen bestimmt wird. Deshalb ist dieses Thema von stiller philosophischer Schärfe.
Sein eigentliches Gewicht liegt im Verhältnis zwischen Haben und Genügen. Die Sprüche zu diesem Thema fragen danach, wie viel Eigentum Freiheit schafft, wo Abhängigkeit beginnt und warum nicht selten das, was man festhalten will, allmählich selbst Besitz über den Menschen gewinnt.
An einem Pfennig sieht man, wie ein Gulden gemünzt ist.
Zuviel ist bitter, und wenn es lauter Honig wäre.
Besser ohne Abendessen zu Bette gehen als mit Schulden aufstehen
Adel, Tugend, Kunst sind ohne Geld umsunst.
Der Arme behält seine Hühner, der Reiche seine Tochter nicht lange.
Reicher Leute Krankheit und armer Leute Braten riecht man weit.
Es gilt mir gleich eine Arme oder eine Reiche, wenn sie nur Geld hat!
Der Arme isst, wann er was hat, der Reiche, wann er will.
Armer Leute Gäste gehen früh nach Haus.
Gift findet man nicht in armer Leute Küchen.
Arme Leute sind in ihrem eigenen Haus nicht daheim.
Es verdirbt viel Weisheit in eines armen Mannes Tasche.
Zwischen Armut und Reichtum ist das beste Leben.
Wer Armut ertragen kann, ist reich genug.
Der Armut geht wenig ab, dem Geize alles.
Wenn die Armut zur Tür eingeht fliegt die Liebe zum Tempel hinaus.
Armut und Alter, das sind zwei schwere Bürden, es wär' an einer genug.
Was aus Armut geschieht, soll man leicht vergeben.
Armut ist keine Schande, aber ein leerer Sack steht nicht gut aufrecht.
Wer die Augen nicht auftut, muss den Beutel auftun.