Sprüche über Besitz
707 Sprüche — Seite 2
Was jemand besitzt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, was ihn innerlich trägt. Besitz kann Sicherheit geben, Gewohnheiten ordnen und Wünsche befriedigen, doch er wirft immer auch die Frage auf, ob der Mensch Dinge hat oder längst von ihnen bestimmt wird. Deshalb ist dieses Thema von stiller philosophischer Schärfe.
Sein eigentliches Gewicht liegt im Verhältnis zwischen Haben und Genügen. Die Sprüche zu diesem Thema fragen danach, wie viel Eigentum Freiheit schafft, wo Abhängigkeit beginnt und warum nicht selten das, was man festhalten will, allmählich selbst Besitz über den Menschen gewinnt.
Der Name oder die Person: Was ist wichtiger ? Die Person oder der Besitz: Was ist mehr ? Gewinnen oder verlieren: Was ist schlimmer ?
— Laotse
Ein gutes Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche mit sich trägt.
Ehe man sehnsüchtig etwas wünscht, sollte man das Glück dessen prüfen, der es besitzt.
— François de la Rochefoucauld
Der Wunsch nach etwas ist letzten Endes ein Streben danach, es zu besitzen. Darum stirbt der Wunsch von selbst, wenn er erfüllt ist.
— José Ortega y Gasset
Den Reichtum eines Menschen misst man an den Dingen, die er entbehren kann, ohne seine gute Laune zu verlieren
— Henry David Thoreau
Sei gewiß, dass nichts dein Eigentum sei, was du nicht inwendig in dir hast.
— Matthias Claudius
Du kannst sehen, wo der Regenbogen die Erde berührt, aber bis Du dort eintriffst, ist er weitergezogen. Wer könnte den Regenbogen besitzen?
Glück ist so federleicht, nie wird´s gefangen. Unglück so erdenschwer, nie wird´s umgangen.
— Konfuzius
Jedem Erfinder gehört die Erfindung, jedem Finder gehört der Finderlohn. Nur der Entdecker einer Wahrheit geht leer aus. Sobald er sie entdeckt hat gehört sie allen oder keinem
— Jean-Paul Sartre
Die Wahrheit ist eine scheue Geliebte, man besitzt sie niemals ganz.
— Hermann Bahr
Der Faule denkt, Hände und Füße wären ihm geliehen.
Der Mensch hat am Menschen kein Eigentumsrecht, noch eine Generation an der nachfolgenden.
— Thomas Paine
Ein jeder ist soviel wert, als die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist.
— Mark Aurel
Geld erklärt den Text und die Glosse.
Geld will einen guten Vormund haben.
Was soll Geld, das nicht wandert durch die Welt?
Mach Freundschaft mit eines Menschen Güte, nicht mit seinem Gut
Dem wachsenden Geld folgt die Sorge.
— Horaz
Viele Menschen verachten den Reichtum, aber wenige sind stark genug, darauf zu verzichten
— François de la Rochefoucauld
Besitzest Du wirklich etwas Gutes, so glaube von anderen Besseres, damit Du Demut bewahrst.
— Thomas à Kempis