806 Sprüche — Seite 29
In keinem anderen Bereich wird so viel vom eigenen Wesen sichtbar wie im Umgang mit anderen Menschen. Beziehungen enthüllen, was allein verborgen bleibt: Geduld und Jähzorn, Großzügigkeit und Kleinlichkeit, die Fähigkeit zur Bindung und die Neigung zum Rückzug. Deshalb ist das Miteinander eine der aufschlussreichsten Schulen des Lebens.
Was Menschen füreinander bedeuten können, erschließt sich nie vollständig im ersten Blick. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das vielschichtige Wesen menschlicher Begegnung: die Nähe, die trägt, den Widerstand, der reift, und jenes stille Erstaunen, das entsteht, wenn ein anderer einem das zeigt, was man allein nicht sehen konnte.
Am Abgrund ist Vorbeugen schlechter als Heilen
Es ist nicht möglich, mit Menschen zusammenzuleben, wenn man ihre Hintergedanken kennt.
— Albert Camus
Die Welt allein bildet einen vollkommenen Menschen nicht. Das Lesen der besten Schriftsteller muss dazu kommen.
— Gotthold Ephraim Lessing
Unter Intuition versteht man die Fähigkeit gewisser Leute, eine Lage in Sekundenschnelle falsch zu beurteilen.
— Friedrich Dürrenmatt
Der Krieg kündigt sich durch Schimpfworte an.
Wer dauernd auf die Pauke haut, geht eines Tages flöten
Ein reger Geist ist wie ein rollender Schneeball.
Ebbe im Kopf prophezeit noch lange keine Gedankenflut.
Auch das schönste Kleid kann man nicht essen.
Der Hund ist die Tugend, die sich nicht zum Menschen machen konnte.
— Victor-Marie Hugo
Dem Unwissenden erscheint selbst ein kleiner Garten wie ein Wald.
Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, daß der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen.
— Samuel Butler
Aber die Philosophen haben beobachtet, dass die Gewohnheiten der Jugendjahre im Alter des Menschen verstärkt wieder erscheinen.
— Honoré de Balzac
Die Menschen haben keine Freunde, weil sie diese nicht in den Kaufhäusern kaufen können.
— Antoine de Saint-Exupéry
Freuen wir uns darüber, dass Gott dem Esel keine Hörner gab.
Wer nicht Gott, sondern den Menschen gefallen will, dessen Tugend leidet an Knochenfraß und geht unter.
— Johann Geiler von Kayserberg
Zum Denken sind wenige Menschen geneigt, obwohl alle zum Rechthaben.
— Arthur Schopenhauer
Andere zu kritisieren ist mitunter eine Möglichkeit, sich selbst in ein besseres Licht zu setzen.
Gewalt macht den Menschen zur Sache.
— Simone Weil
Mit der Linken übe dich, solange die Rechte noch da ist