806 Sprüche — Seite 62
Kein Thema ist zugleich so alltäglich und so unergründlich wie das der Menschen. In Begegnungen, Konflikten, Bindungen und Missverständnissen zeigt sich, wie sehr das Leben von Nähe, Abhängigkeit und Verschiedenheit geprägt ist. Wer über Menschen nachdenkt, blickt immer auch auf sich selbst zurück.
Im Miteinander treten nicht nur Charakter und Absicht hervor, sondern auch Verletzbarkeit, Sehnsucht und Widerspruch. Die Sprüche zu diesem Thema bündeln Beobachtungen über das menschliche Zusammenleben und verleihen jener Mischung aus Wärme, Irritation und Erkenntnis eine präzise und oft überraschende Sprache.
Alle Liebe der Menschen muß erworben, erobert und verdient, über Hindernisse hinweg erhalten werden. Die Mutterliebe allein hat man unerworben und unverdient.
— Berthold Auerbach
Dass Gott hat b´schert für´s Menschen Leib, den Wein dass er sein Sorg vertreib, das Herz erquick und fröhlich mach, das ist der Grund der ganzen Sach.
— Johann Rasch
Des Menschen Schuldbuch ist sein eigenes Gewissen, darin durchstrichen wird kein Blatt, noch ausgerissen
— Friedrich Rückert
Die Herzen sind so ungleich wie die Gesichter.
Hoffnung ist das einzige Gut, das allen Menschen gemein ist; selbst diejenigen, die nichts besitzen, besitzen noch Hoffnung.
— Thales von Milet
Der vornehmste Beruf ist der zum Menschen und eben darum auch der am häufigsten verfehlte.
— Peter Sirius
Ein Psychiater ist ein Mann, der sich keine Sorgen zu machen braucht, solange andere Menschen sich welche machen
— Karl Kraus
Wo der Wein fehlt, da stirbt der Reiz der Venus, da ist der Himmel der Menschen wüst und freudlos.
— Euripides
Die Kleider müssen zum Menschen passen, wie der Mensch zur Landschaft passen muss.
— Li Liweng
Dem Vogel ein Nest, der Spinne ein Netz, dem Menschen - Freundschaft
— William Blake
Große Menschen sind allzu oft unbekannt oder, was noch schlimmer ist, unverstanden.
— Thomas Carlyle
Keine zauberwirkende Rune ist wunderbarer als ein Buch. Bücher sind das auserlesene Besitztum der Menschen.
— Thomas Carlyle
Es gibt keine Menschenkenntnis, die für alle Fälle und alle gegebenen Charaktere ausreicht, am wenigsten aber eine schnelle Erkenntnis, die lehr- und lernbar ist.
— Bogumil Goltz
Die Zeit ist auch Ewigkeit. Die Ewigkeit, deren Flügelschläge die Menschen hören, deren Schläge sie zählen können.
— Jeremias Gotthelf
Des Menschen Wünsche sind sein Himmelreich
— Thomas Morus (More)
Kämpft der Sperling einmal, dann fürchtet er auch den Menschen nicht.
Das Geschwätz zweier Menschen kann Häuser zum Einsturz bringen.
Wer sich vor einem Menschen verneigt, kehrt dabei einem anderen den Rücken zu
Es ist eines Menschen Zunge, nicht die Tat, die alles lenkt
— Sophokles
Dem Menschen ist ein Mensch noch immer lieber als ein Engel
— Gotthold Ephraim Lessing