806 Sprüche — Seite 68
Kein Thema ist zugleich so alltäglich und so unergründlich wie das der Menschen. In Begegnungen, Konflikten, Bindungen und Missverständnissen zeigt sich, wie sehr das Leben von Nähe, Abhängigkeit und Verschiedenheit geprägt ist. Wer über Menschen nachdenkt, blickt immer auch auf sich selbst zurück.
Im Miteinander treten nicht nur Charakter und Absicht hervor, sondern auch Verletzbarkeit, Sehnsucht und Widerspruch. Die Sprüche zu diesem Thema bündeln Beobachtungen über das menschliche Zusammenleben und verleihen jener Mischung aus Wärme, Irritation und Erkenntnis eine präzise und oft überraschende Sprache.
Eine gewisse Reibung zwischen den Generationen ist unvermeidlich; denn die Jugend und die Alten wiegen sich im Besitze der Antworten, und das Mittelalter hat die Fragen am Hals.
Halte dich nicht für den König der Landstraße, du bist nur ihr Sklave.
Ein prahlerischer Fluss hat noch keinen ersäuft
Ein nebliger Morgen ist noch kein wolkiger Tag.
Eine Blume kann man abschneiden, aber den Frühling kann man nicht aufhalten.
Lieber Sohn eines Armen als Sklave eines Reichen.
Es ist besser, Deine Zeit zu verlieren, als Deinen Charakter.
Die Dummheit tötet Dich nicht, aber sie bringt Dich ins Schwitzen!
Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt, er ist nur ein Faden darin. Was immer er ihm antut, tut er sich selbst an.
Wer etwas zu verkaufen hat, gilt nicht als arm.
Das Leben gleicht dem Feuer: Es beginnt mit Rauch und endigt mit Asche
Wer einen Gast nicht nötigt, wird ihn noch beleidigen.
Der eine erregt den Staub, und einem andern fliegt er ins Auge.
Auf dem Haupte der Ehrlichkeit hausen die Götter.
Das Auge kann 1000 Meter weit sehen, aber es sieht nicht die eigene Wimper.
Die Wünsche des Mannes gehen zu Fuß. Die Wünsche der Frau fliegen.
Wer ein Ei stiehlt, stiehlt auch ein Kamel
Wer aus allen Wolken fällt, bringt den Engeln Erleichterung
Das Herz gleicht einem Pferd auf freier Bahn: es stürmt leicht davon und hält nur schwer wieder an.
Es ist nicht die einfache Kreatur, die der Hilfe bedarf, sondern das Genie.
— Eleonora Duse