733 Sprüche — Seite 12
Was im ersten Blick nach Mangel aussieht, gehört oft auf tiefere Weise zum Menschlichen dazu. Schwäche macht verletzlich, begrenzt den Anspruch an sich selbst und zwingt dazu, ohne Maske auf die eigenen Grenzen zu sehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht nur unerquicklich, sondern oft der Anfang von Einsicht und Milde.
In ihr zeigt sich, ob Demut entsteht oder Bitterkeit, ob Rückzug folgt oder Reifung. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, dass Schwäche nicht bloß das Gegenteil von Stärke ist, sondern auch jene Erfahrung, aus der Verständnis, Geduld und echte innere Festigkeit erwachsen können.
Sagen zu können, wie man liebt, heißt wenig lieben
— Francesco Petrarca
Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren
— Theodor W. Adorno
Nach den Jahren der Last kommt die Last der Jahre
— Johann Wolfgang von Goethe
Der Blick des Verstandes fängt an scharf zu werden, wenn der Blick der Augen an Schärfe verliert.
— Platon
Der Muskel wird durch starken Gebrauch gestärkt, der Nerv hingegen dadurch geschwächt. Also übe man seine Muskeln durch jede angemessene Anstrengung, hüte hingegen die Nerven vor jeder.
— Arthur Schopenhauer
Keiner kann einen Körper frisch und schön erhalten, wenn er sich von ausgelaugten Gedanken nährt.
— Prentice Mulford
Wie rührend: wenn jemand über die Gemeinheit der Welt klagt, weil die seinige nicht erfolgreich genug ist!
— Otto Weiss
Das Gedächtnis nimmt ab, wenn man es nicht übt.
— Marcus Tullius Cicero
Das Glück ist blind, heißt es, aber diejenigen, die ihm hinterherlaufen, sind auch blind. So ist Fortuna denn die Blinde unter den Blinden.
— Christian Friedrich Hebbel
Die Gebrechlichen haben oft Fertigkeiten, deren ein ordentlich gebauter Mensch wohl nicht unfähig, doch zu erlernen nicht entschlossen genug ist.
— Georg Christoph Lichtenberg
Man muss Gott beim Herzen zu pachen verstehen, das ist seine schwache Seite.
— Theresia von Avila
Durch geistige Kraft können wir den beherrschen, der uns an körperlicher überragt.
— Antiphon
Wer sich dem Zufall überlässt, ist ein hilflos treibendes Stück Holz auf dem Wasser
— Nikolaus B. Enkelmann
Furcht ist nur ein anderer Name für die Unfähigkeit, die Entstehung von Gedanken zu beherrschen.
— Prentice Mulford
Menschen gleicher Gesinnung suchen einander, Menschen mit gleicher Krankheit bedauern einander.
An alten Bäumen hämmert der Specht am meisten.
— Wilhelm Busch
Der, der angreift, verliert.
Die schlechten Gewohnheiten wollen wir wie minderwertige Menschen, die uns lange Zeit schwer geschädigt haben, endgültig vertreiben.
— Epikur
Ist der Branntwein im Manne, ist der Verstand in der Kanne.
Sei nicht milde und nachsichtig, wo Strenge notwendig ist. Es wird Dir nicht als Güte, sondern als unverzeihliche Schwäche ausgelegt und Du begehst eine Sünde.
— Heinrich Martin