733 Sprüche — Seite 2
Was im ersten Blick nach Mangel aussieht, gehört oft auf tiefere Weise zum Menschlichen dazu. Schwäche macht verletzlich, begrenzt den Anspruch an sich selbst und zwingt dazu, ohne Maske auf die eigenen Grenzen zu sehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht nur unerquicklich, sondern oft der Anfang von Einsicht und Milde.
In ihr zeigt sich, ob Demut entsteht oder Bitterkeit, ob Rückzug folgt oder Reifung. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, dass Schwäche nicht bloß das Gegenteil von Stärke ist, sondern auch jene Erfahrung, aus der Verständnis, Geduld und echte innere Festigkeit erwachsen können.
Wenn ich schweige, erfahre ich die Unzulänglichkeiten der anderen und verberge meine eigene.
— Zenon von Kition
Der Mächtigere in einer Verbindung ist immer der, der weniger liebt.
— Eleonora Duse
Jede Rohheit hat ihren Ursprung in einer Schwäche.
— Seneca
Was nutzt dem Stamme ein Mann, der des Abends nicht mehr weiß, was er am Morgen versprochen hat.
Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.
— Kurt Tucholsky
Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann
— Friedrich Nietzsche
Manche weisen Männer haben den Zorn als eine vorübergehende Geistesstörung bezeichnet.
— Seneca
Auch Besiegte fasst Wut bisweilen und Tapferkeit
— Tacitus
Durch ein Unterlassen kann man genauso schuldig werden wie durch Handeln.
— Konrad Adenauer
Wie wenig wir wissen, erkennen wir, wenn unsere Kinder anfangen zu fragen.
Die Zensur ist das lebendige Geständnis der Großen, dass sie nur verdummte Sklaven, aber keine freien Völker regieren können.
— Johann Nepomuk Nestroy
Ohr und Geist können müde werden, dasselbe zu hören, das Herz nie.
— Nicolas Chamfort
Es gibt niemanden, der sich einer Frau gegenüber arroganter, aggressiver oder verächtlicher verhält, als ein Mann, der um seine Männlichkeit bangt
— George Eliot
Wer keine Freunde hat, lebt nur zur Hälfte
Zuerst die gute Nachricht: Das Glück begegnet uns in ganz vielen Farben. Jetzt die schlechte Nachricht: Die meisten Menschen sind farbenblind.
— Rainer Haak
Wundern muss ich mich sehr, dass Hunde die Menschen so lieben. Denn ein erbärmlicher Schuft gegen den Hund ist der Mensch.
— Christian Friedrich Hebbel
Nur die Hälfte des Weges zurücklegen und dann schwach werden, das ist es, was du am meisten fürchten solltst.
Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung beruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen.Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwa …
— Christian Morgenstern
Die Schilderung der schlechten Charaktere gelingt oft besser als die der guten, weil sie in uns selber schlummern.
— Friedrich Georg Jünger
In der Sprache, in der man am schlechtesten spricht, kann man am wenigsten lügen
— Christian Friedrich Hebbel