Sprüche über Schwäche
700 Sprüche — Seite 28
Was im ersten Blick nach Mangel aussieht, gehört oft auf tiefere Weise zum Menschlichen dazu. Schwäche macht verletzlich, begrenzt den Anspruch an sich selbst und zwingt dazu, ohne Maske auf die eigenen Grenzen zu sehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht nur unerquicklich, sondern oft der Anfang von Einsicht und Milde.
In ihr zeigt sich, ob Demut entsteht oder Bitterkeit, ob Rückzug folgt oder Reifung. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, dass Schwäche nicht bloß das Gegenteil von Stärke ist, sondern auch jene Erfahrung, aus der Verständnis, Geduld und echte innere Festigkeit erwachsen können.
Verliebt sein ist nur ein außerordentlicher Fall von freiwilliger Blindheit.
— Honoré de Balzac
Dilettant heißt der kuriose Mann, der findet sein Vergnügen dran, etwas zu machen, was er nicht kann.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Es gibt auch seelisch Farbenblinde, denen just für Hoffnungsgrün und Freudenrot das Auge fehlt.
— Franz Edler von Pernwald Schönthan
Der Wind pfeift darauf, ob der Baum müde ist
Anderen die Aufgaben abzunehmen heißt: sie in ihrer Entwicklung zu behindern.
— Else Pannek
Man kann Kompromisse schließen, bis man zu einem Kompromiss geworden ist.
— Else Pannek
Wer Gefühle zeigt, lebt aus sich heraus — intensiv und doch geschützt. Wer seine Gefühle nicht verdeutlichen kann, lebt in sich hinein, vor sich hin — wehrlos.
— Else Pannek
Auf andere herabzusehen macht kleiner und ärmer. Es geschieht von einem Standpunkt, von dem keine menschliche Wärme ausgeht und an den keine gelangt.
— Else Pannek
Unsicherheit ist der Begleiter jeder Veränderung.
— Else Pannek
Alt zu werden ist eine Gnade — aber nicht immer ein Vergnügen.
— Else Pannek
Dass Güte nicht auch Schwäche sein könnte, behauptet niemand, dass sie es immer sei, nur ein Tor
— Christian Morgenstern
Die Schwachheiten großer Leute bekannt zu machen ist eine Art von Pflicht; man richtet damit Tausende auf, ohne jenen zu schaden.
— Georg Christoph Lichtenberg
Einem Land, in dem die Blumen teuer sind, fehlt die Grundlage der Kultur.
Warum uns doch die Gutmütigkeit unserer Nebenmenschen meist als Dummheit und unsere eigene als Güte - die Güte der anderen als Schwäche und die unsere als ein Zeichen von Seelenadel erscheint?
— Arthur Schnitzler
Was die Theologen auch sagen mögen: Die Menscheit hat im ganzen viel mehr Tugenden als Laster.
— Henry Thomas Buckle
Ein Nachtisch ohne Käse gleicht einer Schönen, der ein Auge fehlt.
— Jean Anthelme Brillat-Savarin
Die Hoffnung aufgeben bedeutet, nach der Gegenwart auch die Zukunft preisgeben.
— Pearl S. Buck
Wer stolz auf Vorzüg' ist, fühlt irgend ein Gebrechen; Und wer sich brüsten mag, ist sich bewußt der Schwächen.
— Friedrich Rückert
Bloßes Kritisieren bescheinigt Inkompetenz.
— Hans Apel
Die Liebe gleicht einem Fieber; sie überfällt uns und schwindet, ohne dass der Wille im Geringsten beteiligt ist
— Stendhal