869 Sprüche — Seite 16
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Hund frißt wieder, was er gespien hat.
Die schönsten Dinge auf der Welt sind die nutzlosesten; zum Beispiel Pfauen und Lilien.
— John Ruskin
Der Garten ist ein anderer Himmel mit Sternen aus Blumen.
Hunde pissen und Weiber weinen wann sie wollen.
Tausend Fliegen hatt' ich am Abend erschlagen, doch weckte mich eine beim frühsten Tag.
— Johann Wolfgang von Goethe
Gedanken wollen wie Kinder und Hunde, dass man mit ihnen spazieren geht.
— Christian Morgenstern
Wer sich zum Lamm macht, den fressen die Wölfe.
Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen.
— Gottfried August Bürger
Der Mensch trägt seine Überlegenheit innen, die Tiere ihre außen.
Der Kritiker hat immer Recht, unfehlbar wie der Kletterspecht: Die Eiche trotzt dem stärksten Sturm, der Specht entdeckt in ihr den Wurm.
— Richard Fedor Leopold Dehmel
Eine alte Katze und ein alter Hund denken an ihr Heim.
Die Mücke fliegt so lang ums Licht, bis sie sich versengt.
Sogar wenn er verfolgt wird, ist der Schmetterling niemals in Eile
Übrigens hat man, wenn man es zeitenweis bei den Menschen nicht mehr aushält, die Tiere.
— Friedrich Vischer
Liebe alles, was dich davon trägt, z. B. Kamele und Pferde
Hunde die bellen, beißen nicht
Die Katze beweint die getötete Maus.
Es gibt Leute, welche den Vogel genau zu kennen glauben, weil sie das Ei gesehen haben, aus dem er gekrochen ist.
— Christian Johann Heinrich Heine
Gestern war der Frosch noch krank, heut verwest er unterm Schrank.
Eine Familie ist in Ordnung, wenn man den Papagei unbesorgt verkaufen kann.
— William Penn Adair Rogers