869 Sprüche — Seite 9
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Keine Elster heckt eine Taube.
Selbst ein Lahmer kann in die Spur des Tigers treten.
Wer eine Elster ausschickt, dem kommt ein bunter Vogel wieder.
Man stiehlt auch wohl der Elster ein Ei.
Ich bin für die Rechte der Tiere genauso wie für die Menschenrechte. Denn das erst macht den ganzen Menschen aus
— Abraham Lincoln
Weißes Händchen und weißes Tätzchen, und keines von beiden die Krallen zeigt - reizendes Weib und reizendes Kätzchen necken sich, wenn der Tag sich neigt.
— Paul Verlaine
Wie kommen die Enten aus, die doch so breite Schnäbel haben?
Das Kamel sieht seinen eigenen Höcker nicht, aber den seiner Brüder hat es immer vor Augen.
Ein Mensch, der Angst hat, wird zum reißenden Tier.
— John Steinbeck
Wenn der Hund einmal Leder gefressen hat, ist kein Schuh mehr vor ihm sicher.
— Ludwig Anzengruber
Versuche nie, ein Kamel von der Last seiner Höcker zu befreien, sonst befreist du es womöglich davon, ein Kamel zu sein
— Gilbert Keith Chesterton
Der Hund ist das einzige Lebewesen auf der Erde, das Sie mehr liebt, als sich selbst
— Joseph Billings
Was wir aufgeben, müssen wir mit freier Wahl aufgeben, nicht wie der Fuchs die Trauben.
— Gottfried Keller
Wenn Gott einen Hund misst, zieht er ein Band um das Herz statt um den Kopf.
Wer Dornen säht, darf sein Zelt nicht barfuß verlassen.
Der Fuchs kann seinen Schwanz nicht bergen.
Unmenschen gibt es, aber keine Untiere
— Karl Julius Weber
Möge die Kuh in deinem Stall dich nicht vor deinem Hahn wecken.
Eine milchende Kuh deckt den Tisch zu.
Den Fuchs muss man mit Füchsen fangen.