869 Sprüche — Seite 9
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Fuchs kann seinen Schwanz nicht bergen.
Wenn der Hund einmal Leder gefressen hat, ist kein Schuh mehr vor ihm sicher.
— Ludwig Anzengruber
Er ist Storch und Klappermaul.
Ein Schlaufuchs kann auch auf einem Löwen reiten.
Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück; sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen wie wir.
— Charles Robert Darwin
Je höher der Affe steigt, je mehr er den Hintern zeigt.
Während der Tiger nicht aufhören kann, Tiger zu sein, sich nicht enttigern kann, lebt der Mensch in ständiger Gefahr, sich zu entmenschlichen.
— José Ortega y Gasset
Man soll die Bärenhaut nicht verkaufen, ehe der Bär gestochen ist.
Der Mensch ist das Raubtier mit den Händen.
— Oswald Spengler
Auch das beste Pferd kann nicht zwei Sättel tragen
Die Elster lässt ihr Hüpfen nicht.
Die Jägerei ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit
— Theodor Heuss
Einigkeit beim Vieh macht, dass der Löwe sich hungrig hinlegen muß.
Gott schläft im Stein, träumt in der Pflanze, erwacht im Tier und handelt im Menschen.
Wenn du einen Ziegenbock betrunken machst, läuft er geradewegs in den Wald, um dem Wolf einmal seine Meinung zu sagen.
Schämen sollen sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit …
— Albert Einstein
Wenn Tiere sprechen könnten, wäre der Hund ein ungeschickter Kamerad, der unverblümt seine Meinung herausbellt, während die Katze den seltenen Charme besitzt, nie ein Wort zuviel zu sagen.
— Mark Twain
Der Mensch, biologisch gesehen, ist das furchtbarste aller Raubtiere, und das einzige, das seine eigene Gattung anfällt.
— William James
Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Es genügt nicht, nur fleißig zu sein - das sind die Ameisen. Die Frage ist vielmehr: wofür sind wir fleißig?
— Henry David Thoreau