869 Sprüche — Seite 36
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Magd Sonntag ist der Kühe stiller Freitag.
Küsters Kuh darf auf dem Kirchhof grasen.
Dem die Kuh gehört, der fasst sie bei den Hörnern.
Wenn die Kuh den Schwanz verloren hat, merkt sie erst, wozu er gut gewesen ist,
Die beste Kuh geht nicht zu Markt.
Es gibt mehr als eine bunte Kuh.
Man heißt keine Kuh bunt, sie habe denn einen Flecken.
Man sagt nicht zu der Kuh Bläßle, wenn sie nicht wenigstens einen Stern hat.
Wenig Kühe, wenig Mühe.
Der da hat keine Mühe, dem gibt man die Kühe, und der da hat die Mühe, dem nimmt man die Kühe und gibt ihm die Brühe.
Der da hat die Kühe, der hab' auch die Mühe.
Wenn die Kuh gestohlen ist, sperrt man den Stall.
Schenkt man dir die Kuh, lauf mit dem Halfter zu.
St. Niklas beschert die Kuh, aber nicht den Strick dazu.
Eine Kuh kann nicht auf den Baum springen wie ein Eichhorn.
Bleib daheim bei deiner Kuh, willst du haben Fried und Ruh.
Er weiß so viel davon wie die Kuh vom Sonntage.
Er sieht's an wie die Kuh ein neues Scheuertor.
Meiner Mutter Kuh Bruder war ein Ochs.
Lamm, Lamm! ist des Wolfes Vesperglocke.