Sprüche über Tiere
1063 Sprüche — Seite 45
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
An kurzen Rossen und langen Stieren ist nichts zu verlieren.
Hast du einen Sautrog umgestoßen, so richt ihn nicht wieder auf.
Wo viel Säue sind, wird das Gespül dünn.
Unter dreien ist immer eine Sau.
Je schlimmer die Sau, desto besser die Eicheln.
Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier.
Wenn die Schwalben fliegen, so bleiben hier die Fliegen.
Wenn man Schwalben am Hause hat, schlägt es nicht ins Haus.
Er lässt den Schwanz hängen wie ein begossener Pudel.
Viel Schweine machen den Trunk dünn.
Man mästet das Schwein nicht um des Schweines willen.
Wer will hadern um ein Schwein, nehm die Wurst und lass es sein.
Schweine kümmern sich nicht um köstliche Salben.
Er gibt gern zu essen, aber nur seinen Schweinen.
Alte Schweine haben harte Mäuler.
Besser ein Sperling in der Hand als ein Kranich auf dem Dach.
Wenn der Sperling nisten will, sucht er viel Löcher.
Auch ein Sperling findet ein Haus für sich.
Sperlinge fängt man, wenn man ihnen Salz auf den Schwanz streut.
Die Sperlinge singen's von den Dächern.