869 Sprüche — Seite 29
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Adler sieht das Luder wohl, aber nicht den Jäger.
Ein alter Adler ist stärker als eine junge Krähe.
Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.
Affen fängt man mit großen Bundschuhen.
Lieber Aff, sieh erst auf dich, dann lobe oder schelte mich.
Es ist besser, einen Bären loslassen als einen Bären anbinden.
Je älter der Bock, je härter das Horn.
Ich hatte mich drauf verlassen wie der Bock auf die Hörner.
Die Welt lohnt wie der Bock, wenn er Hörner kriegt.
Die Eule trägt ihr Recht auf dem Buckel.
Ich rede von Enten, und du antwortest mir von Gänsen.
Wo man den Esel krönt, da ist Stadt und Land gehöhnt.
Den Esel erkennt man bei den Ohren, am Angesicht den Mohren und bei den Worten den Toren.
Man kann einem Esel wohl den Schwanz verbergen, aber die Ohren lässt er vorgucken.
Man ruft den Esel nicht zu Hofe, denn dass er Säcke trage.
Wer sich zum Esel macht, der muss Säcke tragen.
Viel Säcke sind des Esels Tod.
Wenn der Esel in die Mühle kommt, so sagt er i-ah.
Besser Esel treiben als selber Säcke tragen.
Je fetter der Floh, je magerer der Hund.