Sprüche über Tiere
1063 Sprüche — Seite 29
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Fisch ist gern im Wasser, der Vogel in der Luft, das brave Weib daheim.
Die Eule trägt ihr Recht auf dem Buckel.
Ich rede von Enten, und du antwortest mir von Gänsen.
Wo man den Esel krönt, da ist Stadt und Land gehöhnt.
Den Esel erkennt man bei den Ohren, am Angesicht den Mohren und bei den Worten den Toren.
Man kann einem Esel wohl den Schwanz verbergen, aber die Ohren lässt er vorgucken.
Man ruft den Esel nicht zu Hofe, denn dass er Säcke trage.
Wer sich zum Esel macht, der muss Säcke tragen.
Viel Säcke sind des Esels Tod.
Wenn der Esel in die Mühle kommt, so sagt er i-ah.
Besser Esel treiben als selber Säcke tragen.
Wenn der Esel nicht will, so muss er.
Der Esel und sein Treiber denken nicht überein.
Den Esel führt man nur einmal aufs Eis.
Wo sich der Esel einmal stößt, da nimmt er sich in acht.
Ein Esel bleibt ein Esel - käm er auch nach Rom.
Wenn zwei Esel einander unterrichten,wird keiner ein Doktor.
Vom Esel kann man nicht Wolle fordern.
Wo sich der Esel wälzt, da muss er Haare lassen.
Er kommt vom Pferd auf den Esel.