869 Sprüche — Seite 22
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
So kriegte die Katze den Speck nicht.
Die Katze will auch Bratwürste.
Wie gern frißt die Katze Wurst; wenn sie nur die Haut hätte!
Wie hoch auch ein Vogel fliegen mag, seine Nahrung sucht er auf der Erde.
Der Fuchs weiß viel, doch der ihn fängt, weiß mehr.
Gebrühte Katze scheut auch kaltes Wasser.
Hat die Katze Junge, so lernt sie mausen.
Eine Katze hat neun Leben, wie die Zwiebel und das Weib sieben Häute.
Der Hund, der den Hasen aufspürt, ist so gut, als der ihn fängt.
Gute Katzen mausen daheim und in anderen Häusern.
Wer wilde Katzen fangen will, muss eiserne Handschuhe haben!
Alte Krähen sind schwer zu fangen.
Von großer Arbeit starben die Pferde.
Läßt sich die Katze streicheln, ist sie schon mehr bei Leuten gewesen.
Reihet euch, sagte der Bauer: da hatt' er eine Kuh im Stall.
Alte Geiß leckt auch gern Salz.
Es gibt kein grausameres Tier als einen Menschen ohne Mitleid.
— August von Kotzebue
Klein Pferd, kleine Tagesreise. Langes Pferd, kurzer Ritt.
Die Geiß kriegt früh einen Bart.
Eine blinde Henne findet auch wohl ein Korn.