869 Sprüche — Seite 26
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Es heisst, dass die Natur die Schweine geschaffen hat, damit wir schlemmen können.
Solange der Esel trägt, ist er dem Müller lieb.
Wer für die Katz arbeitet, kommt bald auf den Hund.
Schon wer nur ein kleines Lichtlein in der Dunkelheit anzündet, lockt die Mücken an
— Franz von Sales
Zieht ein Gewitter auf vom Berg, pfeift der Wind durch die Burg.
Mit allen Kreaturen bin ich In schönster Seelenharmonie. Wir sind verwandt, ich fühle es innig, Und eben darum liebe ich sie
— Wilhelm Busch
Der Argwohn ist unter den Gedanken, was die Fledermäuse unter den Vögeln sind: sie flattern stets im Dämmerlicht
— Francis Bacon
Der natürliche Aufenthaltsort des Schafes ist der Backofen
Immer bleibt der Aff' ein Affe, wird er König oder Pfaffe
Stinkts im Stall zu sehr nach Mist, schleicht der Ochs sich fort mit List!
Das Wasser kann ohne Fische auskommen, aber kein Fisch ohne Wasser
Wer sich gezwungen sieht, mit den Wölfen zu heulen, mag sich in reiner Notwehr befinden. Aber ist das ein Grund, hinterher mit den Schafen zu blöken?
— Gottfried Keller
Fleischesser sind die lebenden Gräber ermordeter Tiere.
— Leo Tolstoi
Mit einem Mann ist es wie mit einem Hund: Man muss ihn so lange streicheln, bis Maulkorb und Leine fertig sind
— Eleonora Duse
Ein Mensch ohne Geld ist wie ein Wolf ohne Zähne.
Kauf einen jungen Hund und du wirst für dein Geld wilde entschlossene Liebe bekommen.
— Rudyard Kipling
Sind die Huehner flach wie Teller, war das Auto wieder schneller.
Vom zu vielen Schlafen hat die Schlange ihre Füße verloren.
Schätze den Hund nicht nach den Haaren, sondern nach den Zähnen.
— Johann Gottfried Herder
Ein Hund ist klüger als eine Frau; er bellt seinen Herrn nicht an