869 Sprüche — Seite 38
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Kleine Mäuse haben auch Ohren.
Wer selbst mausen kann, der braucht keine Katzen.
Was dir nicht gehört, das streift eine Maus mit dem Schwanz weg.
Der Mausdreck will allzeit unter den Pfeffer.
Dem schlafenden Fuchs läuft keine weise Maus in den Mund.
Wenn sich das Geflügel früh maust, so gibt's einen frühen Winter.
Wenn die Mücke ein Hühnerei legen will, ist's ihr Tod.
Auch die Mücke hat ihre Milz.
Die Mücken sehen all einander gleich.
Hungrige Mücken beißen schlimm.
Mücken seigen, Elefanten verschlucken.
Man muss nicht nach jeder Mücke schlagen.
Ochsen muss man schön aus dem Wege gehn!
Da stehen die Ochsen am Berge!
Kein Ochse, er sei denn ein Kalb gewesen.
Wo der Ochs König ist, sind die Kälber Prinzen.
Wer mit jungen Ochsen pflügt, macht krumme Furchen.
Ochsen gehen langsam, ziehen aber gut.
Wer mit Ochsen fährt, kommt auch zu Markte.
Der Ochs kann auch auf vier Füßen laufen wie der Hirsch, aber nicht so schnell.