869 Sprüche — Seite 10
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Ich bin für die Rechte der Tiere genauso wie für die Menschenrechte. Denn das erst macht den ganzen Menschen aus
— Abraham Lincoln
Der Hund hat vier Beine, aber er kann nicht gleichzeitig auf vier Wegen gehen.
Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück; sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen wie wir.
— Charles Robert Darwin
Fortuna lächelt, doch sie mag nur ungern voll beglücken: Schenkt sie uns einen Sommertag, so schenkt sie uns auch Mücken.
— Wilhelm Busch
Auch das beste Pferd kann nicht zwei Sättel tragen
Wie kommen die Enten aus, die doch so breite Schnäbel haben?
Während der Tiger nicht aufhören kann, Tiger zu sein, sich nicht enttigern kann, lebt der Mensch in ständiger Gefahr, sich zu entmenschlichen.
— José Ortega y Gasset
Der Mensch ist das Raubtier mit den Händen.
— Oswald Spengler
Die Elster lässt ihr Hüpfen nicht.
Keine Elster heckt eine Taube.
Ein Mensch ist seiner Beschaffenheit nach ein religiöses Tier.
— Edmund Burke
Wer eine Elster ausschickt, dem kommt ein bunter Vogel wieder.
Je höher der Affe steigt, je mehr er den Hintern zeigt.
Wenn Gott einen Hund misst, zieht er ein Band um das Herz statt um den Kopf.
Der Gang der Jahreszeiten ist ein Uhrwerk, wo ein Kuckuck ruft, wenn es Frühling wird.
— Georg Christoph Lichtenberg
Ein blöder Hund wird selten fett.
Möge die Kuh in deinem Stall dich nicht vor deinem Hahn wecken.
Unmenschen gibt es, aber keine Untiere
— Karl Julius Weber
Selbst ein Lahmer kann in die Spur des Tigers treten.
Den Fuchs muss man mit Füchsen fangen.