869 Sprüche — Seite 13
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Du kannst einen Elefanten festhalten, wenn er fliehen, aber nicht das kleinste Haar auf deinem Kopf, wenn es fallen will.
— Gerhart Johann Robert Hauptmann
Der Hund ist die Tugend, die sich nicht zum Menschen machen konnte.
— Victor-Marie Hugo
Ist kein Tiger mehr in den Bergen, nennt sich der Affe selbst König.
Ein Verliebter betrachtet eine Blume mit anderen Augen als ein Kamel.
Im Fleiß kann dich die Biene meistern, in der Geschicklichkeit ein Wurm dein Meister sein, dein Wissen teilest du mit vorgezogenen Geistern, die Kunst, o Mensch, hast du allein.
— Friedrich von Schiller
Ein Hund, der bellt, ist mehr wert, als ein ein Mensch, der lügt.
— Henry de Montherlant
Man muss eher prüfen, mit wem man isst und trinkt, als was man isst und trinkt. Denn ohne einen Freund ist das Leben wie das Fressen von Löwe und Wolf.
— Epikur
Ein regenloses Jahr ist wie eine Mutter, deren Tochter starb
Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Es ist jedesmal ein anderer.
Auch ein dürrer Baum belebt die Landschaft.
Die See kann nicht mit einem Scheffel gemessen werden.
Ein Fisch, so groß, dass er ein Schiff verschlingen kann, ist auf dem Trockenen nicht einmal den Ameisen gewachsen.
— Lü Bu We
Ich finde es richtig, dass man zu Beginn einer Jagd die Hasen und Fasane durch Hörnersignale warnt.
— Gustav Walter Heinemann
Es wird vielen Leuten lächerlich sein, und manchen frommen Christen ärgerlich, dass wir auf einen Hund so viel Rücksicht nehmen.
— Adalbert Stifter
Je jünger, einfacher und frömmer die Völker, desto mehr Tierliebe.
— Jean Paul
Bis die Kuh keinen Schwanz mehr hat, weiß man nicht, wozu er gut war.
Man kann die Tiere in geistvolle und begabte Personen einteilen: Hund und Elefant zum Beispiel sind geistreiche, Nachtigall und Seidenwurm begabte Leute
— Antoine de Rivarol
Lehre den Hund zu schnappen und bald wird er dich beißen.
Ich brauch, dass mein Haus gedeiht: Eine Frau, vergnügt und gescheit, eine Katz, die auf Büchern sich rollte. Und Freunde zu jeder Zeit, ohne die ich nicht leben wollte.
— Guillaume Apollinaire
Es gibt Menschen, die Fische fangen, und solche, die nur das Wasser trüben.