869 Sprüche — Seite 37
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Wenn Lämmer einmal neben Wölfen grasen, scheint eine andere Sonne.
Wenn due die Lämmer nicht achtest, wird die Herde bald zugrunde gehen.
Steht er doch da, als wenn er lammen wollte!
Man braucht nicht Läuse in den Pelz zu setzen, sie kommen von selber hinein.
Wenn die Laus einmal im Pelz sitzt, so ist sie schwer wieder herauszubringen.
Sie vermachen sich wie die Läuse im Pelz.
Die Laus, die erst in den Pelz kommt, ist schlimmer, als die darin gewachsen ist.
Wenn die Laus in den Grind kommt, so hebt sie den Hintern in die Höhe und wird stolz.
Wer lausig ist, wird bald grindig.
Die Laus weidet im Grinde sich fett und geht im alten Pelz auf Stelzen.
Er kann einer Laus ein Paar Stelzen machen.
Er prangt wie die Laus auf einem Samtkragen.
Marsch in dein Winterquartier, sprach der Wachtmeister zu der Laus, als er sie vom Bart unter die Hemdkrause setzte.
Viele wollen eine Laus schinden und wissen noch nicht, wie viel Füße sie hat.
Besser eine Laus im Kraut als gar kein Fleisch.
Er schindet die Laus des Balges wegen.
Man kann einer Laus nicht mehr nehmen als das Leben.
Läuse und Kinder geraten alle Jahr.
Es geht ihm wie einer Laus zwischen zwei Balken.
Man könnt' ihr auf dem Fleisch eine Laus knicken.