869 Sprüche — Seite 6
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Der Geist läßt uns zu Göttern werden, das Fleisch zu Tieren.
— Erasmus von Rotterdam
Es sind viele Esel, die nicht Säcke tragen
— Christoph Lehmann
Alles, was schön ist, bleibt auch schön, auch wenn es welkt. Und unsere Liebe bleibt Liebe, auch wenn wir sterben.
— Maxim Gorki
Um einen Schmetterling lieben zu können, müssen wir auch ein paar Raupen mögen.
— Antoine de Saint-Exupéry
Auschwitz fängt da an, wo einer steht und denkt, es sind ja nur Tiere
— Theodor W. Adorno
Von hundert gebildeten und feinfühlenden Menschen würden schon heute wahrscheinlich neunzig nie mehr Fleisch essen, wenn sie selber das Tier erschlagen oder erstechen müßten, das sie verzehren.
— Bertha Freifrau von Suttner
Nicht die Blumen und Bäume, nur der Garten ist dein Eigentum
Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er's verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten.
— Wilhelm Busch
Wenn die Maus die Katze auslacht, ist bestimmt ein Loch in der Nähe.
Es ist besser, ein junger Spatz zu sein als ein alter Paradiesvogel.
— Mark Twain
Fürchte den Bock von vorn, das Pferd von hinten und das Weib von allen Seiten.
— Anton Tschechow
Wir geben dem Hund das, was übrig bleibt an Zeit, Raum und Liebe, doch der Hund gibt uns alles, was er hat
Lieber ein Ei im Frieden als eine Henne im Krieg.
Ohne Hirten wird aus Schafen nie eine Herde.
Wo es der Brauch ist, da legt man die Kuh ins Bett.
Ein plattgefahrnes Pudelwrack taugt höchstens noch als Dudelsack. So gibt die alte Hundehaut auch im Jenseits weiter Laut.
Nur einmal geht der Fuchs in die Falle
Die Ankunft eines guten Clowns ist für eine ganze Stadt heilsamer, als die Ankunft von 30 mit Medikamenten beladenen Eseln.
— Thomas Sydenham
Ein einfacher Zweig ist dem Vogel lieber als ein goldener Käfig.
Ich bin überzeugt, dass Hunde im Grunde denken, die Menschen seien verrückt.
— John Steinbeck