869 Sprüche — Seite 24
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Affen sind Affen, wenn sie schon Chorröcke tragen.
Adler haben große Flügel, aber auch scharfe Klauen.
An den Federn erkennt man den Vogel
Die kleinen Krebse und Fische sind die besten, wenn man große nicht haben kann.
Der liebe Gott hat es gewollt, dass die Mück' uns stechen sollt'. Es wär zu schön auf dieser Welt, wenn die Mück' im Sommer fehlt.
Wenn der Esel seine Tracht hat, so weiß er, wie er gehen soll.
Um allein zu leben, muß man sehr einem Gotte oder ganz einem Tier ähnlich sein.
— Baltasar Gracián y Morales
Zieht ein Esel über Rhein, kommt ein I-ah wieder heim.
Wenn der Hund will scheissen gehen, so sieht man ihn gekrumpen stehen.
Der Adler heckt keine Zeislein.
Laß einen Hund sorgen, der bedarf vier Schuhe.
Er muss es hinnehmen, als wenn ihn ein Hund gebissen hätte.
Die Gesetze der Natur sind wunderbar, aber ihr Räderwerk zermalmt viele Insekten wie die Regierungen viele Menschen.
— Antoine de Rivarol
Hundsbiß heilt Hundshaar.
Vögel von gleichen Federn fliegen gern beisammen.
Begoßne Hunde fürchten das Wasser.
Erträglich ist der Mensch als Einzelner. Im Haufen steht er der Tierwelt zu nah.
— Franz Grillparzer
Narren verhalten sich zu Ehemännern wie Sardellen zu Heringen: der Ehemann ist der größte von beiden.
— William Shakespeare
Du kannst keinen Fischteich in Brand stecken.
An fremden Hunden riechen die andern.