Sprüche über Tiere
1063 Sprüche — Seite 44
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt dessen wenig.
Pferde fressen einen Mann, der sie mit Rat nicht halten kann.
Wenn das Pferd satt ist, so trauert es.
Pferde lassen sich zum Wasser bringen, aber nicht zum trinken zwingen.
Wenn das Pferd voll ist, so ist es faul.
Man muss das Pferd und nicht den Reiter zäumen.
Er zäumt das Pferd beim Schwanz auf.
Rasches Pferd kam oft krank nach Hause.
Das Pferd, das am besten zieht, bekommt die meisten Schläge.
Wenn das Pferd zu alt ist, spannt man's in den Karren.
Das Pferd ist oft klüger als sein Reiter.
Mancher, der nie ein Pferd beschritt, singt oft ein Reiterlied.
Wer weiter will als sein Pferd, der sitze ab und gehe zu Fuß.
Hast du kein Pferd, so brauche den Esel.
Vom Pferd auf den Esel.
Man muss das Pferd nicht auf den Esel setzen.
Man muss mit den Pferden pflügen, die man hat.
Die jungen Raben brauchen Futter.
Die Raben müssen einen Geier haben.
Raubvögel singen nicht.