869 Sprüche — Seite 17
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Die Vitalität wird zu Lasten des Verstandes überschätzt. Dabei sind es die Ochsen und nicht die Denker, die uns zu Tode trampeln.
— Friedrich Dürrenmatt
Humor und Geduld sind Kamele, die uns durch jede Wüste tragen.
Eine Maus kann man nicht für den Käse verantwortlich machen.
Glaube mir, du wirst mehr in Wäldern finden als in Büchern. Bäume und Tiere werden dich lehren,
— Bernhard von Clairvaux
Wo sich die Elefanten bekämpfen, hat das Gras den Schaden.
Über eine Spur von Geist in einer Frau freuen wir uns ebenso wie über ein paar Worte, die ein Papagei richtig herausbringt.
— Honoré de Balzac
Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen.
— Bertolt Brecht
So zärtlich wie ein Trampeltier, so eiskalt wie der Mond, unschuldig wie der schwarze Teufel, der in der Hölle wohnt. So temperamentvoll wie die Schnecke und störrisch wie ein Vieh, so eingebild …
Das Tier kann sich langweilen, aber nur der Mensch denkt darüber nach.
— Oswald Spengler
So wie die großen Sphinxen, in nobler Haltung durch die Ewigkeit durch lauernd auf dem heißen Wüstensand, so starren Katzen sorglos ins Nichts, ruhig und weise.
— Charles Baudelaire
Bienen sind gar nicht so fleißig, sie können nur nicht langsam fliegen.
Erstlich das Haus und das Weib und den pflügenden Ochsen bedarf man.
— Hesiod
Mit einem wilden Löwen ist es leichter, dauerhaft Freundschaft zu halten, als mit einem Menschen, der neugierig ist.
Keine Beleidigung würde mich so hart treffen, wie ein misstrauischer Blick von einem meiner Hunde.
— James Gardner
Um eines kleinen Bissens Fleisches willen berauben wir eine Seele des Lichtes und der Spanne von Zeit, in die sie hineingeboren wurde, sich daran zu erfreuen.
— Plutarch
Eine der blamabelsten Angelegenheiten ist es, dass das Wort "Tierschutz" überhaupt geschaffen werden musste
— Theodor Heuss
Der Wunsch, Medikamente einzunehmen, ist vielleicht das größte Charakteristikum das den Menschen vom Tier unterscheidet.
— William Osler
Über Schnee kann ein Schmetterling nicht urteilen.
Die Gänse werden im Herbst unruhig, denn ihr Blut erinnert sich, dass es Zeit ist zu ziehen.
— August Strindberg
Zeit ist eine verspielte Katze. Sie umschmeichelt einen und schlabbert den Tag auf wie eine Schale Milch
— Henry Ford