869 Sprüche — Seite 23
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
In meinem Herzen hab ich Raum für Katze, Hund und Fisch. Ich liebe Igel, Maus und Pfau - jedoch am meisten dich!
Die Geiß kriegt früh einen Bart.
Alte Geiß leckt auch gern Salz.
Es gibt kein grausameres Tier als einen Menschen ohne Mitleid.
— August von Kotzebue
Klein Pferd, kleine Tagesreise. Langes Pferd, kurzer Ritt.
Reihet euch, sagte der Bauer: da hatt' er eine Kuh im Stall.
Eine blinde Henne findet auch wohl ein Korn.
Wenn die Katze Unglück haben soll, bleibt ihr die Maus im Halse stecken.
Bellet ein Hund, so klaffen sie alle.
Kommt, lasst uns ausspazieren, zu hören durch den Wald die Vögel musizieren, dass Berg und Tal erschallt.
— Martin Opitz
Hunde, die einen Braten gerochen haben, wollen ihn auch gerne belecken.
Wenn Ärger, Not und Kummer und Sorgen dich bedrängen: Kopf hoch! Nur Fledermäuse lassen sich hängen.
Man findet manchen Esel, der nie Säcke trug.
Er sitzt wie eine Laus zwischen zwei Nägeln.
Wer sich zum Esel macht, dem will jeder seine Säcke auflegen.
Seine Hühner legen Eier mit zwei Dottern.
Früh mit den Hühnern zu Bette und auf mit den Hahnen zur Wette.
Alte Böcke - steife Hörner.
Zwei Pferde, ein Kutscher, vier Bestien.
Der Bock weiss, dass er Hörner hat.