1598 Sprüche — Seite 109
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Das Leben gleicht dem Feuer: Es beginnt mit Rauch und endigt mit Asche
Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreis all sein Leben traben.
— Christian Morgenstern
Was ist des Menschen Leben? Ein Schwanken hierhin - dorthin - von Sorge zu Sorge. Ein Loch stopft man zu, - ein anderes ist gleich wieder da.
— Laurence Sterne
Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält uns die Natur für ein Leben voll Mühe schadlos.
— Johann Wolfgang von Goethe
Trachte nicht nach dem ewigen Leben, sondern schöpfe das Mögliche aus!
— Pindar
Die Bekanntschaft mit einem einzigen guten Buch kann ein Leben ändern.
Eine gesunde Seele kann nicht in einem trockenen Körper wohnen.
— Francois Rabelais
Das Leben sähe anders aus, wenn wir, statt über die Lieblosigkeit in der Welt zu klagen, etwas gegen die Lieblosigkeit in uns selbst tun würden.
— Rainer Haak
Das meiste im Leben ist schlecht, drum bin ich gar nicht froh; die Dunkelheit ist echt, das Licht aber scheint nur so.
Das Leben ist eine Hühnerleiter, von oben bis unten - ich weiß nicht weiter.
Geh fröhlich hin durchs blumenreiche Leben und pflücke manche Blume dir. Nicht nur für bittren Gram hat Gott das Leben uns gegeben, nein, auch für Freuden sind wir hier.
Versuche stets, ein Stückchen Himmel über deinem Leben freizuhalten
— Marcel Proust
Im Leben einer Frau zählt nur die Jugend.
— Henry de Montherlant
Keiner will heute leben; keiner ist mit der gegenwärtigen Stunde zufrieden; alle finden, dass sie gar zu langsam vergeht.
— Jean-Jacques Rousseau
Alle Wesen leben vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf, die Pflanze selbst, kehrt freudig sich zum Licht.
— Friedrich von Schiller
Ist die Viehzucht aufgegeben, heisst es von Touristen leben
Wird der Knecht gehetzt von Doggen, muß er um sein Leben joggen!
Das letzte Vergnügen im Leben ist das Bewußtsein, aus der Pflicht entlassen zu sein.
— William Hazlitt
Was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein Funke, der aus Kohle springt und verlischt.
— Johann Christian Friedrich Hölderlin
Es zählt nicht, wie alt du bist, sondern wie du alt bist.