1598 Sprüche — Seite 57
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Es gehört mehr zum Haushalt als vier Beine unter einem Tische.
Gefaltete Hände verdienen kein Brot.
Die Arbeit ist kein Hase, sie läuft nicht fort.
Kein Narr hält sich für einen Narren
Erfahrung ist fast immer eine Parodie auf die Idee
— Johann Wolfgang von Goethe
Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln wie der, der die alten nicht zu verarbeiten versteht.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Auch wenn man nur zum Fenster hinaus schaut, sieht man die Welt.
— Wilhelm Raabe
Vernunft verhält sich zum Verstande wie ein Kochbuch zu einer Pastete
— Ludwig Börne
Oft nennt man Güte, was nur ein Mangel an Geistesgegenwart ist.
— Carmen Sylva
Zweifeln ist Suchen, nicht Ratlosigkeit.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Heuchelei.
— Ernst Hohenemser
Die Sprache ist ein Gewölke, an dem jede Phantasie ein anderes Gebilde erblickt
— Jean Paul
Unterhaltung besteht meistens nicht darin, dass man selbst etwas Gescheites sagt, sondern dass man etwas Dummes anhören muss.
— Wilhelm Busch
Das Wichtigste im Verkehr mit Menschen: ihnen ihre Ausreden wegräumen.
— Arthur Schnitzler
Alles, was menschlich ist, muß rückwärts gehen, wenn es nicht vorwärts geht.
— Edward Gibbon
Jedes Schreckbild verschwindet, wenn man es fest ins Auge faßt.
— Johann Gottlieb Fichte
Die Alten sind die einzigen Alten, die nie alt werden.
— Karl Julius Weber
Kalte Umschläge sind besser als warme Ratschläge.
— Peter Rosegger
Vernunft braucht manchmal eine Pause.
— Else Pannek
Luxus und schlechter Geschmack sind unzertrennlich. Überall, wo der Geschmack viel Aufwand erfordert, ist er falsch.
— Jean-Jacques Rousseau