1598 Sprüche — Seite 127
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Man muss die Nuss knacken, will man den Kern essen.
Der geschenkte saure Apfel gilt für süß.
Des Arztes Werkzeug ist auf dem Schlitten.
Zu Haus ist zu Haus, und sei es unter dem Halme !
An der Leine ist jeder Dackel tapfer.
Wie Schaum entflieht des Lebens Traum
Ratschläge sind wie Medizin: je besser sie sind, umso schlechter schmecken sie.
Die Trauer ist nicht die Folgeerscheinung unseres Schmerzes, sondern bereits sein Heilmittel.
Auch unter schlechtem Kleid wohnt kluger Sinn zur Zeit
Alte Häuser haben trübe Fenster.
Einer, der seinen Nachbarn hasst, entdeckt sogar in der Sonne Fehler.
Die größte Liebe ist die der Mutter, dann kommt die des Hundes und dann die eines Schatzes.
Mit einer Flasche und bei einem Mädchen zählt man die Stunden nicht
Wenn kein Wind geht, dann rudere.
Wer die Hoffnung vor den Wagen spannt, fährt doppelt schnell
Das Testament des Verstorbenen ist der Spiegel des Lebenden.
Nur ein guter Sprecher kann einen Schweiger verbessern
Auf eine hastige Frage gib eine gemächliche Antwort.
Die Guten lernen von den Schlechten stets mehr als die Schlechten von den Guten.
Ein Haus ohne Blumen ist ein Kuhstall.