1598 Sprüche — Seite 70
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Ein hungriger Mann sieht weit.
Heut sind du und ich noch Kind, doch die Zeit eilt so geschwind. Eh wir beide uns versehen, werden wir am Krückstock gehen.
Französisch ist ein Unterricht, bei dem man durch die Nase spricht: but if you now speak through your nose, bist du noch lange kein Franzos!
Gehorchst du stur der Obrigkeit, bekommst du keine Beulen; es gibt auch ohne Tränengas bestimmt genug zum Heulen.
Das Schicksal ist ein Wirbelwind, ein armes Blatt das Menschenkind. Er treibt's zu Tal, er hebt's zum Hügel - das Blättchen rühmt sich seiner Flügel!
— Hieronymus Lorm
Bescheidenheit - Mantel des Hochmuts
— Carmen Sylva
Sehnsucht und Ahnung liegen ineinander, eins treibt das andre hervor
— Bettina von Arnim
Vorsicht und Mißtrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Mißtrauen nötig
— Christian Morgenstern
Ein Kritiker ist jemand, der zum Nörgeln neigt.
— Samuel Johnson
Die Zeit ist schlecht? Wohlan. Du bist da, sie besser zu machen
— Thomas Carlyle
Eine Erkenntnis geht manchmal über uns nieder wie ein Wolkenbruch über eine Landschaft - man erkennt sie nachher nicht wieder.
— Emil Gött
Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.
— George Bernard Shaw
Ost ist Ost, und West ist West, und niemals treffen sich die beiden.
— Rudyard Kipling
Es ist sehr leicht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, das man mit anderen treibt.
— Emil Gött
Die einfachen Charaktere, nicht die Zusammengesetzten, sind schwer zu verstehen.
— Hugo von Hofmannsthal
Wenn wir uns für die Anderen interessieren, interessieren sie sich für uns.
— Publius Syrus
Das Gerücht wächst im Gehen
— Vergil
Kitsch ist das Echo der Kunst.
— Kurt Tucholsky
Wer nur denkt, was er weiß, der denkt noch gar nicht.
— Friedrich Georg Jünger
Denken ist ein beständig auf seine Widerspruchslosigkeit geprüftes stilles Sprechen.
— Robert Reinick