1598 Sprüche — Seite 137
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Zum Selbstgefühl erwachen, heißt schon frei sein.
— Johann Georg Adam Forster
Argumente nützen gegen Vorurteile so wenig wie Schokoladenplätzchen gegen Stuhlverstopfung.
— Max Pallenberg
Kain und Abel bilden so ziemlich den ganzen Inhalt der Weltgeschichte
— Emanuel Wertheimer
Ein jeder Kelch verschäumt, das Schönste welkt, und nichts auf Erden währt.
— Rupert Johann Hammerling
Auf alle wartet ein und dieselbe Nacht.
— Horaz
Gleichgültigkeit nimmt die Farbe aus dem Leben.
— Else Pannek
Geniesse mit Phantasie. Alle Genüsse sind letztlich Einbildung, und wer die beste Phantasie hat, hat den größten Genuss.
— Theodor Fontane
Einsamkeit hat den großen Vorteil, dass man die Flucht vor sich selber einstellt.
— Marcel Proust
Unsere Kultur ist wirklich fortgeschritten, wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloß.
— Georg Christoph Lichtenberg
Das Ideal ist nichts als die Wahrheit von weitem.
— Alphonse de Lamartine
Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.
— Georg Christoph Lichtenberg
Sobald eine Wahrheit aus mehr als fünf Zeilen besteht, nähert sie sich schon dem Roman
— Jules Renard
Nichts existiert außer Atomen und leerem Raum. Alles andere ist nur Meinung.
— Demokrit
Die Zukunft wird von der Gegenwart verfolgt
— Samuel Johnson
Jede wahre Kraft, der entgegengewirkt wird, verstärkt sich.
— Johann Heinrich Jung-Stilling
Des Menschen Schuldbuch ist sein eigenes Gewissen, darin durchstrichen wird kein Blatt, noch ausgerissen
— Friedrich Rückert
Ideale sind unsere besseren Ichs.
— Amos Bronson Alcott
Fließendes Wasser fault nicht, die Türangeln rosten nicht; das kommt von der Bewegung
— Lü Bu We
Wer sich albern kleidet, ist albern.
— Christian Dietrich Grabbe
Die Phantasie nimmt uns sehr leicht auf ihre Flügel, reduziert sich aber ebenso geschwind bei gewöhnlichen Naturen auf den sinnlichen Bodensatz.
— Bogumil Goltz