770 Sprüche — Seite 12
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Hohle Köpfe klappern am meisten.
Willst den Nachbarn glücklich seh'n, darfst nicht in die Sonn' ihm steh'n.
Es gibt keine noch so schöne Rose, die nicht zur Hagebutte wird.
Flüsse und Berge altern nicht.
Dem Landmann tut's das Herz zerreissen, sieht er das Huhn aufs Sofa scheißen
Der Gang der Jahreszeiten ist ein Uhrwerk, wo ein Kuckuck ruft, wenn es Frühling wird.
— Georg Christoph Lichtenberg
Selbst in kleinsten Tautropfen kann sich die ganze Sonne widerspiegeln.
Wenn die Kuh am Himmel schwirrt, hat sich die Natur geirrt.
Wer im Juni einen hebt, hat den Maibock überlebt
Raucht die Kuh wie ein Kamin, ist Kurzschluss in der Melkmaschin!
Der Kosmas und der Damian, die zünden alle Lichter an. (26. Sept.)
Ist St. Moritz hell und klar, stürmt der Winter, das ist klar. (22. Sept.)
Wenn Matthäus freundlich schaut, man auf gutes Wetter baut. (21. Sept.)
Schafft Kathrein vor Frost sich Schutz, watet man lange draussen im Schmutz. (25. Nov.)
Wenn's an Karolus stürmt und schneit, dann lege deinen Pelz bereit. (04. Nov.)
Natur wiederholt ewig in weiterer Ausdehnung denselben Gedanken. Darum ist der Tropfen ein Bild des Meeres.
— Christian Friedrich Hebbel
Der Mensch - ein Exempel der beispiellosen Geduld der Natur.
— Christian Morgenstern
Wenn es donnert an Kunigund, bleibt das Wetter lange bunt. (03. März)
Was auch das Meer verschlang, die Zeit verschlang das Weh, ewig bleibt die See.
— Gorch Fock
Man ist ja von Natur kein Engel, vielmehr ein Welt- und Menschenkind, und ringsumher ist ein Gedrängel von solchen, die dasselbe sind.
— Wilhelm Busch