770 Sprüche — Seite 59
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Je fetter der Ochs, je schlechter das Fell
St. Ambrosius man Zwiebeln säen muss. (04. April)
Ist St. Vinzenz Sonnenschein, gibt es vielen guten Wein. (05. April)
Am Tiburtiustag, alles grünen mag. (14. April)
Grüne Felder am Tiburtiustag, die ziehen viel Getreide nach. (14. April)
Tiburtius kommt uns sehr gelegen mit seinem grünen Blättersegen. (14. April)
Regnet's stark zu Albinus, macht's dem Bauern viel Verdruss. (16. April)
Regnet's vorm Georgitag, wäret lang des Segens Plag'. (22. April)
Wenn's friert an St. Fidel, bleibt's 15 Tage noch kalt und hell. (24. April)
Bauen um Markus schon die Schwalben, so gibt's viel Futter, Korn und Kalben. (25. April)
Leg erst nach Markus Bohnen, er wird's dir reichlich lohnen. (25. April)
Was St. Markus an Wetter hält, so ist's auch mit der Ernte bestellt. (25. April)
Auf des heiligen Peters Fest sucht der Storch sein Nest. (27. April)
Walpurgisfrost ist schlechte Kost. (30. April)
Ein nasser April verspricht der Früchte viel.
Ostwaldtag muss trocken sein, sonst werden teuer Korn und Wein. (05. August)
Wie das Wetter an Kassian, hält es noch viele Tage an. (13. August)
Leuchten vor Maria Himmelfahrt die Sterne, dann hält sich das Wetter gerne. (15. August)
Maria Himmelfahrt klarer Sonnenschein, bringt meistens viel guten Wein. (15. August)
Wenn's an Joachim regnet, dann folgt ein warmer Winter. (16. August)