770 Sprüche — Seite 6
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Früher oder später, aber gewiss immer, wird sich die Natur an allem Tun der Menschen rächen, das wider sie selber ist.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Gibt es denn eine Welle, die für sich allein ist im Weltmeer?
Wie die Sonne nicht auf Lob und Bitte wartet, um aufzugehen, sondern eben leuchtet und von der ganzen Welt begrüßt wird, so darfst auch du weder schmeicheln noch Beifall brauchen, um Gutes zu tun
— Epiktet
Was die Ebbe nimmt, bringt die Flut wieder.
Ein Bruder ist ein Freund, den dir die Natur gegeben hat.
Ein Mensch, der die Natur nicht liebt, enttäuscht mich; fast misstraue ich ihm.
— Otto von Bismarck
Der Gelehrte studiert die Natur nicht, weil das etwas Nützliches ist. Er studiert sie, weil er daran Freude hat, und er hat Freude daran, weil sie so schön ist. Wenn die Natur nicht so schön wäre, so …
— Henri Poincaré
Die Rose ist so etwas schönes, dass auch der wahnsinnigste Züchter sie nicht verderben kann.
— Konrad Adenauer
Je größer aber ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, vor einer Blume niederzuknien.
— Gilbert Keith Chesterton
Wenn man einen Sumpf trocken legen will, darf man damit nicht die Frösche beauftragen.
— Mark Twain
Ackert der Bauer splitternackt, die Magd ein starker Brechreiz packt.
Fliegen die Schwalben in den Höh'n, kommt ein Wetter, das ist schön.
Nach unserer bisherigen Erfahrung sind wir zum Vertrauen berechtigt, daß die Natur die Realisierung des mathematisch denkbar Einfachsten ist.
— Albert Einstein
Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehen.
— Matthias Claudius
Das Meer noch niemals größer ward, weil eine Gans das Wasser spart.
— Bernhard Freidank
Man muß mit der Natur langsam und läßlich verfahren, wenn man ihr etwas abgewinnen will.
— Johann Peter Eckermann
Schaue zum Himmel, wenn du den Mond sehen willst, und nicht in den Teich.
Wir schlagen der Erde tiefe Wunden und trampeln achtlos auf ihr herum. Die Erde ist unsere nährende Mutter, und seine Mutter bringt man nicht um.
Der Himmel ist genauso unter unseren Füßen wie über unserem Kopf.
— Henry David Thoreau
Retten können wir die Berge nur, wenn wir sie begreifen - mit den Händen, den Sinnen, dem Herzen.
— Reinhold Messner