770 Sprüche — Seite 57
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Der Mausdreck will allzeit unter den Pfeffer.
Wenn sich das Geflügel früh maust, so gibt's einen frühen Winter.
Wenn die Mücke ein Hühnerei legen will, ist's ihr Tod.
Auch die Mücke hat ihre Milz.
Hungrige Mücken beißen schlimm.
Mücken seigen, Elefanten verschlucken.
Man muss nicht nach jeder Mücke schlagen.
Ochsen muss man schön aus dem Wege gehn!
Kein Ochse, er sei denn ein Kalb gewesen.
Der Ochs will den Hasen erlaufen.
Dem Ochsen, der da drischt, soll man das Maul nicht verbinden.
Das Pferd soll zur Krippe gehn, nicht die Krippe zum Pferd.
Das Pferd ist oft klüger als sein Reiter.
Hast du kein Pferd, so brauche den Esel.
Man mästet das Schwein nicht um des Schweines willen.
Schweine kümmern sich nicht um köstliche Salben.
Die Spinne saugt Gift, die Biene Honig aus allen Blumen.
Wenn der Storch die Erbsenstoppel sieht, jagt er die Jungen vom Neste.
Dem Storch gefällt sein Klappern wohl.
Es sagt ein Storch dem andern Langhals.