770 Sprüche — Seite 16
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Mit Blitzen kann man die Welt erleuchten, aber keinen Ofen heizen.
— Christian Friedrich Hebbel
Nicht durch die Kraft höhlet der Tropfen den Stein, sondern durch häufiges Fallen.
— Ovid
Auch wenn die Sonne hinter dunklen Wolken verborgen ist, wärmt sie uns.
Der Trieb zum Guten ist dem Menschen eingepflanzt von Natur wie dem Wasser der Trieb, bergab zu fließen.
Zärtlichkeit gleicht der Rose unter tausend Blüten. Selbst die wilde Rose umschwebt ein Hauch von Zärtlichkeit
Eine Rose riecht besser als ein Kohlkopf, gibt aber keine bessere Suppe ab.
— Jean-Baptiste Molière
Wer andere erheitern kann, ist von Natur aus Arzt
— Demokrit
Die Natur ist ein unendlich geteilter Gott.
— Friedrich von Schiller
Manchmal sitzt er zu deinen Füssen und schaut dich an, mit einem Blick so schmeichelnd und zart, das man überrascht ist über die Tiefe seines Ausdrucks. Wer kann nur glauben, dass hinter solchen strah …
— Théophile Gautier
Schnell wachsende Keime welken geschwinde, zu lange Bäume brechen im Winde.
— Wilhelm Busch
Der Garten, das seid ihr! Nehmt eure Bilder, eure Erinnerungen und eure Visionen, und ihr werdet niemals ohne Garten sein!
Die Liebe ist wie Sonnenschein und gleichet einer Flamme. Doch Treue muss die Wurzel sein an solchem Lebensstamme.
Es ist mit der Liebe auch wie mit anderen Pflanzen: wer Liebe ernten will, muß Liebe pflanzen.
— Jeremias Gotthelf
An alten Bäumen hämmert der Specht am meisten.
— Wilhelm Busch
Das Leben in der Natur gibt die Wahrheit der Dinge zu erkennen.
— Albrecht Dürer
Ein ungestörtes Glück verlangen, heißt Mondeslicht mit Netzen fangen, den Sonnenstrahl mit Ketten fesseln und Rosen fordern von den Nesseln.
— Otto von Leixner
Wenn Du auch täglich durch die Hallen der Macht wandelst, so trage doch in Dir die Luft aus den Wäldern der Berge.
Die Stimme der Natur lässt sich nicht überschreien
— Christoph Martin Wieland
Jeder kehre den Schnee vor seiner Tür und kümmere sich nicht um das Eis, das auf dem Dach des Nachbarn liegt.
Die Natur gibt einem Menschen seine Fähigkeiten, und das Glück bringt sie zur Wirkung.
— François de la Rochefoucauld