770 Sprüche — Seite 66
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Auf St. Gallus-Tag nichts mehr draussen bleiben mag. (16. Okt.)
Auf St. Gallus-Tag muss jeder Apfel in den Sack. (16. Okt.)
Wer an St. Lukas Roggen streut, es im Jahr darauf nicht bereut. (18. Okt.)
Wenn's St. Severin gefällt, bringt er die erste Kält'. (23. Okt.)
Zu Krispin werden die Fliegen hin. (25. Okt.)
Simon und Judas, fegt das Laut in die Gass'. (28. Okt.)
Am Wolfgangregen ist viel gelegen. (31. Okt.)
Oktober kalt - tötet's Ungeziefer bald.
Ist der Oktober kalt und klar, erfrieren die Raupen für's nächste Jahr.
St. Mang sä' den ersten Strang. (06. Sept.)
St. Georgen treibt die Lerchen davon. (09. Sept.)
An St. Cyprian zieht man oft schon Handschuh' an. (15. Sept.)
Trocken wird das Frühjahr sein, ist St. Lambert klar und rein. (18. Sept.)
Tritt Matthäus ein, so soll die Saat vollendet sein. (21. Sept.)
Ist's Matthäus hell und klar, gute Zeiten bringt's fürwahr. (21. Sept.)
Zeigt sich klar Mauritius, viele Stürm' er bringen muss. (22. Sept.)
St. Kosmas und St. Damian, fängt das Laub zu färben an. (26. Sept.)
Wie viele Fröste vor St. Wenzeslaus fallen, so viele werden nach Jakobi folgen. (28. Sept.)
Um Michaeli in der Tat, gedeiht die beste Wintersaat. (29. Sept.)
Vor Michaeli sä' mit halber Hand, dann aber streu mit ganzer Hand. (29. Sept.)