Sprüche über Natur
1369 Sprüche — Seite 41
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Wie viele Fröste vor St. Wenzeslaus fallen, so viele werden nach Jakobi folgen. (28. Sept.)
Um Michaeli in der Tat, gedeiht die beste Wintersaat. (29. Sept.)
Vor Michaeli sä' mit halber Hand, dann aber streu mit ganzer Hand. (29. Sept.)
Von Michel bis Hieronymus, mach auf's Weihnachtswetter den Schluss. (30. Sept.)
St. Bruno, der Kartäuser, läßt Fliegen in die Häuser. (06. Okt.)
St. Burkhardi Sonnenschein, schüttet Zucker in den Wein. (14. Okt.)
An Hedwig bricht der Wetterlauf, und hört das gute Wetter auf. (15. Okt.)
Auf St. Gallus-Tag nichts mehr draussen bleiben mag. (16. Okt.)
Auf St. Gallus-Tag muss jeder Apfel in den Sack. (16. Okt.)
Wer an St. Lukas Roggen streut, es im Jahr darauf nicht bereut. (18. Okt.)
Wenn's St. Severin gefällt, bringt er die erste Kält'. (23. Okt.)
Zu Krispin werden die Fliegen hin. (25. Okt.)
Simon und Judas, fegt das Laut in die Gass'. (28. Okt.)
Am Wolfgangregen ist viel gelegen. (31. Okt.)
Oktober kalt - tötet's Ungeziefer bald.
Ist der Oktober kalt und klar, erfrieren die Raupen für's nächste Jahr.
Cäcilia im weißen Kleid, erinnert an die Winterzeit. (22. Nov.)
Dem heiligen Klemens traue nicht, denn selten hat er ein mild' Gesicht. (23. Nov.)
Der Konrad und auch die Kathrein, die knien sich bald in den Dreck hinein. (26. Nov.)
Wirft herbei Andrä Schnee, so tut's dem Korn und Weizen weh. (30. Nov.)