770 Sprüche — Seite 41
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Alle Wesen leben vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf, die Pflanze selbst, kehrt freudig sich zum Licht.
— Friedrich von Schiller
Die prachtvollsten Blumen blühen oft im Verborgenen.
Dass sich die Wogen senken und heben, das ist eben des Meeres Leben. Und dass es hofft von Tag zu Tag, das ist des Herzens Wellenschlag
— Friedrich Rückert
Es blüht ein Blümchen irgendwo, in einem stillen Tal, das schmeichelt Aug und Herz so froh wie Abendsonnenstrahl.
— Gottfried August Bürger
Die Natur hat mir nicht gesagt: Sei nicht arm! Noch weniger: Sei reich! Aber sie ruft mir zu: Sei unabhängig!
— Nicolas Chamfort
Keinen Geist kann man so umfassend lieben wie die Natur.
— Edvard Grieg
Ein Drittel der menschlichen Schönheit ist Natur, zwei Drittel sind Aufmachung.
Das Licht vom Himmel lässt sich nicht versprengen, noch lässt der Sonnenaufgang sich verhängen mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten.
— Nikolaus Lenau
Die ganze Natur ist eigentlich nichts anderes als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln.
— Immanuel Kant
Mit den Landschaften ist es wie mit den Blumen: Jede fremde dünkt uns die schönste.
— Michel de Montaigne
Das Alter ist das Abendrot des Himmels.
Wenn wir die Natur beobachten, stellen wir fest, dass sie die Seele des Menschen in seinem Körper wie in einem weiträumigen Palast untergebracht hat - allerdings nicht immer in den schönsten Quart …
— Denis Diderot
Gerade der schöpferische Mensch wird immer auf die Natur zurückgreifen, um menschliche Formeln durch neues Leben zu erfüllen oder zu sprengen
— Gerhart Johann Robert Hauptmann
So ein Spinnentüchlein voll Regentropfen - wer macht das nach?
— Christian Morgenstern
Meine Leiden sind das Werk der Natur, mein Glück aber ist mein Werk.
— Jean-Jacques Rousseau
Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der Menschen.
— Johann Wolfgang von Goethe
So regnet es sich langsam ein, und immer kürzer wird der Tag und immer seltener der Sonnenschein. Ich sah am Waldrand gestern ein paar Rosen stehn. Gib mir die Hand und komm - wir wollen sie uns p …
— Cäsar Flaischlen
Sieh doch den Wettersturm am Himmel, sieh doch die Wolken um die Höhn! Ich aber sag: das geht vorüber, und auf den Abend wird es schön.
— Cäsar Flaischlen
Die nicht zivilisierte, unverdorbene Welt ist das beste Verjüngungsmittel.
— Paul Gauguin
Ein jeder Frühling ist neue Feier der großen Vereinigung der männlichen und weiblichen Natur.
— Johann Joseph von Görres