Sprüche über Natur
1369 Sprüche — Seite 22
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Die Natur ist ein Brief Gottes an die Menschheit.
— Platon
Ein reifer Apfel hängt nicht lang überm Weg
Die Schönheit ist wie eine Blume: heut vor dem Busen, morgen vor dem Besen.
— Abraham a Sancta Clara
Im Frühling kehrt die Sonne in die Knochen zurück.
— Vergil
Gott und Natur sind zwei Dinge, die sich vollkommen gleich sind
— Friedrich von Schiller
Im Herbst verkauft man Obst, im Frühling - Medizin
Wie das Wetter um Ägidi tut, bleibt's den ganzen Monat. (01. Sept.)
Der Rose süßer Duft genügt, man braucht sie nicht zu brechen. Und wer sich mit dem Duft begnügt, den wird ihr Dorn nicht stechen.
— Friedrich von Bodenstedt
Das schöne Blau der Luft wird durch die Dunkelheit hervorgerufen, die dahinter ist.
— Leonardo da Vinci
Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die menschliche Natur.
— John Locke
Kommt St. Lorenz mit heissem Hauch, füllt er dem Winzer Fass und Bauch. (10. August)
Das ist im Leben hässlich eingerichtet, dass bei den Rosen gleich die Dornen stehen.
— Joseph Victor von Scheffel
Narren hasten - Kluge warten - Weise gehen in den Garten.
— Rabindranath Tagore
Es kommt nicht auf das an, was die Natur aus dem Menschen, sondern was dieser aus sich selbst macht
— Immanuel Kant
Willst du für ein Jahr planen, säe Reis. Planst du für ein Jahrzehnt, pflanze Bäume. Planst du für ein Leben, erziehe einen Menschen.
Wenn kein Gott existierte, müsste man ihn erfinden; doch er existiert! Die ganze Natur ruft es uns zu.
— Voltaire
Viele Wege führen zum Gipfel eines Berges, doch die Aussicht bleibt die gleiche
Wer ein Kamel liebt, muss sich mit seinen Höckern abfinden.
Die Blumen des eigenen Gartens duften nicht so stark wie die wilden Blumen. Dafür halten sie länger.
Der Spiegel der Natur ist der klarste Spiegel! Ihn muss man schauen, an ihm sich ergötzen.
— Fjodor M. Dostojewski