770 Sprüche — Seite 51
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Auf dem Baum, da saß ein Specht; der Baum war hoch, dem Specht war schlecht.
Frißt der Hase Eichenblätter, wird er ganz gewiß nicht fetter.
Werden naß die Ahornblätter, liegt es sicherlich am Wetter.
Wälzt das Schwein sich in den Lachen, so brauchst du’s ihm nicht nachzumachen
Hat die Bäurin zu viele Kilo, nascht sie heimlich Nachts am Silo
Der Trecker seinen Bauern foppt, wenn er nicht vor'm Dorfteich stoppt.
Kehr'n die Störche spät zurück, ha'm die Frösche großes Glück.
Wenn der Knecht zum Waldrand hetzt, war das Plumpsklo schon besetzt!
Liegt mittags Weißes in den Suppen, dann hat die Bäu'rin wieder Schuppen!
Der Hofhund, der die Hühner frißt, ein hundsgemeines Haustier ist.
Es lässt den Bauern gar nicht ruh'n, wenn die Hähne morgens muh'n.
Fällt der Vollmond auf das Dach, werden alle Bauern wach!
Hülsenfrucht zum Abendbrot, morgens sind die Fliegen tot!
Hüpft der Ochse auf dem Schwan, handelt sich's um Rinderwahn
Schreit die Bäuerin vor verzücken, läßt sie sich vom Knecht beglücken.
Treibt's das Hähnchen allzu lange, fällt das Hühnchen von der Stange.
Wenn der Knecht vom Dache pieselt, denkt der Hofhund: "Huch, es nieselt."
Spielt die Dorfmusik zum Tanze, krümmt vor Schreck sich jede Pflanze.
Sind die Hühner platt wie Teller war der Traktor wieder schneller
Blitzt und donnert es mit Schauern, kriecht das Vieh ins Bett zum Bauern!