770 Sprüche — Seite 65
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Gertraud den Garten baut. (17. März)
Gertraude nützt dem Gärtner fein, wenn sie kommt mit Sonnenschein. (17. März)
Ein schöner Josefstag bringt ein gutes Jahr. (19. März)
Josephi klar, gibt ein gutes Honigjahr. (19. März)
St. Benedikt den Garten schmückt. (21. März)
Soll das Korn gar üppig stehen so soll man es zu St. Benedikt säen. (21. März)
Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet. (25. März)
Ist Maria schön und klar, naht die ganze Schwalbenschar. (25. März)
Schöner Verkündigungsmorgen befreit von vielen Sorgen. (25. März)
Ist Marien schön und helle, gibt es viel Obst auf alle Fälle. (25. März)
Um Ludger draussen feucht, dann bleiben auch die Kornböden leicht. (26. März)
Cäcilia im weißen Kleid, erinnert an die Winterzeit. (22. Nov.)
Dem heiligen Klemens traue nicht, denn selten hat er ein mild' Gesicht. (23. Nov.)
Der Konrad und auch die Kathrein, die knien sich bald in den Dreck hinein. (26. Nov.)
Wirft herbei Andrä Schnee, so tut's dem Korn und Weizen weh. (30. Nov.)
Es verrät dir die Andreasnacht, was wohl so das Wetter macht. (30. Nov.)
Donnert's ins blattlose Holz, dann schneit's ins Laub.
St. Bruno, der Kartäuser, läßt Fliegen in die Häuser. (06. Okt.)
St. Burkhardi Sonnenschein, schüttet Zucker in den Wein. (14. Okt.)
An Hedwig bricht der Wetterlauf, und hört das gute Wetter auf. (15. Okt.)