770 Sprüche — Seite 15
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Ein Baum der fällt macht mehr Lärm, als ein ganzer Wald der wächst.
Der heilige Ambrosius, schneit oft dem Bauern auf den Fuß. (04. April)
Man sieht die Blumen welken und die Blätter fallen, aber man sieht auch die Früchte reifen und neue Knospen keimen.
— Johann Wolfgang von Goethe
Wer an Christian säet Lein, bringt schönen Flachs in seinen Schrein. (03. April)
Das sicherste Mittel gegen Seekrankheit: sich unter einen Apfelbaum legen.
— Horatio Nelson
Er ist Storch und Klappermaul.
Wie kommen die Enten aus, die doch so breite Schnäbel haben?
Man stiehlt auch wohl der Elster ein Ei.
Die Natur macht Frauen verschieden - die Mode macht sie gleich
— Christina I. von Schweden
Die Natur will, dass die Kinder Kinder sind, ehe sie Erwachsene werden.
— Jean-Jacques Rousseau
Wenn man auch allen Sonnenschein wegstreicht, so gibt es doch noch den Mond und die hübschen Sterne und die Lampe am Winterabend. Es ist so viel schönes Licht in der Welt.
— Wilhelm Raabe
Mögen dich die roten Sonnenuntergänge, die hoch auf den Zweigen des Abends wachsen, erfreuen, so wie die knospende farbige Morgendämmerung, die in der Luft im Osten aus der Erde steigt.
Das Kamel sieht seinen eigenen Höcker nicht, aber den seiner Brüder hat es immer vor Augen.
Wer Dornen säht, darf sein Zelt nicht barfuß verlassen.
Es ist wahr: Die Blumen können uns nicht ernähren, aber sie machen die Freude des Lebens aus.
— André Gide
Wenn du zwei Brote hast, so tausche eines gegen Blumen, denn sie sind Brot für die Seele.
Keine Elster heckt eine Taube.
Die Elster lässt ihr Hüpfen nicht.
Hebe deíne Augen auf, und du wirst die Sterne sehen!
Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie.