770 Sprüche — Seite 23
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Die Natur ist ein Brief Gottes an die Menschheit.
— Platon
Beim Betrachten der Natur werden die Gefühle geboren.
Das schöne Blau der Luft wird durch die Dunkelheit hervorgerufen, die dahinter ist.
— Leonardo da Vinci
Es ist wichtiger, dass sich jemand über eine Rosenblüte freut, als dass er ihre Wurzel unter das Mikroskop bringt.
— Oscar Wilde
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen.
— Georg Christoph Lichtenberg
Gott und Natur sind zwei Dinge, die sich vollkommen gleich sind
— Friedrich von Schiller
Die Schönheit ist wie eine Blume: heut vor dem Busen, morgen vor dem Besen.
— Abraham a Sancta Clara
Ein kalter Frühling bringt viel Regen
Frauen und Wind sind notwendige Übel.
Im Frühling kehrt die Sonne in die Knochen zurück.
— Vergil
Auch der dickste Eiszapfen hat auf Dauer keine Chance gegen die Sonne.
Keiner kennt die Härte eines Kiesels besser, als wer auf ihn einschlägt!
— Seneca
Ein reifer Apfel hängt nicht lang überm Weg
Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht.
— Johann Wolfgang von Goethe
Wie das Wetter um Ägidi tut, bleibt's den ganzen Monat. (01. Sept.)
Kräht der Bauer auf dem Mist, weißt du, dass er besoffen ist!
Im Herbst verkauft man Obst, im Frühling - Medizin
Die Quelle des Ideals ist der heiße Durst nach Ewigkeit, die Sehnsucht nach Gott, also das Edelste unsrer Natur.
— Friedrich von Schlegel
Kommt St. Lorenz mit heissem Hauch, füllt er dem Winzer Fass und Bauch. (10. August)
Narren hasten - Kluge warten - Weise gehen in den Garten.
— Rabindranath Tagore