770 Sprüche — Seite 25
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Der Eber ist stets missgestimmt, weil seine Kinder Ferkel sind.
Zu Theres beginnt die Weinles'. (15. Okt.)
Jeder nach seinem Sinn wählt seiner Freuden Ort: der Rosenkäfer hier, und der Mistkäfer dort.
— Friedrich Rückert
Die Mücke fliegt so lang ums Licht, bis sie sich versengt.
Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist Geduld.
— Ralph Waldo Emerson
Dankbarkeit gefällt, Undank hat die ganze Welt.
Die schönsten Dinge auf der Welt sind die nutzlosesten; zum Beispiel Pfauen und Lilien.
— John Ruskin
Der Wechsel vergnügt die menschlichen Sinnen, dies lehrt uns der Umgang und auch die Natur.
— Johann Christian Günther
Das Talent des Menschen hat seine Jahreszeiten - wie die Früchte.
— François de la Rochefoucauld
Die Natur versteht keinen Spass, sie ist immer wahr, sie hat immer recht, und die Fehler und Irrtümer sind immer die der Menschen
— Johann Wolfgang von Goethe
So oft die Sonne aufgeht erneuert sich mein Hoffen und bleibt, bis sie untergeht, wie eine Blume offen.
— Gottfried Keller
Erziehung ist alles. Der Pfirsich war einst eine Bittermandel, und der Blumenkohl ist nichts als ein Kohlkopf mit akademischer Bildung.
— Mark Twain
Barbara im weissen Kleid, verkündet gute Sommerzeit. (04. Dez.)
Das macht den Bauern gar nicht froh, wenn's regnet in sein Cabrio.
Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt.
— Rudyard Kipling
Der Garten ist ein anderer Himmel mit Sternen aus Blumen.
Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst.
— Georg Christoph Lichtenberg
Es gibt eine Blüte auch bei Runzeln
— Apollonius von Rhodos
Wir wundern uns nie über den Sonnenaufgang einer Freude, sondern über den Sonnenuntergang derselben.
— Jean Paul
Wir mögen die Welt kennen lernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.
— Johann Wolfgang von Goethe