770 Sprüche — Seite 52
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Das Sieb hält kein Wasser.
Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber.
Dem Kompost und dem Mist am wohlsten im Schatten ist.
Die Quecke ist der Bandwurm des Ackers.
Eine Gans, die Fasten erlebt hat, taugt nichts mehr.
Siehst du die Katze gähnend liegen, weisst du, dass wir Gewitter kriegen.
Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen.
Wenn die Stare hoch sitzen, gibt es schönes Wetter.
Wo der Storch nistet auf dem Dach, kommt weder Blitz noch Ungemach.
Wenn die Mücken spielen, wird schönes Wetter.
Sind noch Fliegen an der Wand, hält noch die Sonn' den Frost gebannt.
Kommt die Feldmaus ins Dorf, so sieh nach Holz und Torf.
Gedeiht die Schnecke und die Nessel, füllen sich die Speicher und Fässel.
Wenn der Flieder langsam verblüht, die Ernte sich lang hinzieht.
Blüht der Stock in vollem Licht, große Beeren er verspricht.
Ein Vielfraß wird nicht geboren, sondern erzogen.
In alten Häusen fehlt es selten an Mäusen.
Was man nicht begreift, verlernt man auch nicht!
Je mehr die Maikäfer verzehren, je mehr wird die Ernte bescheren.
Märzenferkel, Märzenfohlen, alle Bauern haben wollen.