770 Sprüche — Seite 26
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist Geduld.
— Ralph Waldo Emerson
Die Mücke fliegt so lang ums Licht, bis sie sich versengt.
Jeder nach seinem Sinn wählt seiner Freuden Ort: der Rosenkäfer hier, und der Mistkäfer dort.
— Friedrich Rückert
Zu Theres beginnt die Weinles'. (15. Okt.)
Rosen auf den Weg gestreut und des Harms vergessen! Eine kurze Spanne Zeit ist uns zugemessen.
— Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Glaube mir, du wirst mehr in Wäldern finden als in Büchern. Bäume und Tiere werden dich lehren,
— Bernhard von Clairvaux
Die Kraft der Gedanken ist unsichtbar wie der Same, aus dem ein riesiger Baum erwächst; sie ist aber der Ursprung für die sichtbaren Veränderungen im Leben des Menschen.
— Leo Tolstoi
So, wenn ich schaue in dein Antlitz mild, wo tausend frische Lebenskeime walten, da ist es mir, als ob Natur mein Bild mir aus dem Zauberspiegel vorgehalten.
— Annette von Droste-Hülshoff
Das Juwel des Himmels ist die Sonne, das Juwel des Hauses ist das Kind.
— Abraham a Sancta Clara
Er der Schöpfer, beuge sich herab zu dir und segne dich, er reiß auf die himmlischen Tore, er neige sein Angesicht zu dir, denn das Leben kann nur Frucht bringen durch seinen Segen! Nichts entsteh …
Wenn die Rosen verblüht sind, verachtet man die Dornen.
— Ovid
Zum Dank dafür, dass die Sonne sie bescheint, werfen die Dinge Schatten
— Bertolt Brecht
Die Erde ist eine Gondel, die an der Sonne hängt, und an der wir aus einer Jahreszeit in die andere fahren.
— Johann Peter Hebel
Der Wind weht, wo er will. Du hörst sein Rauschen, weißt aber nicht, woher er kommt, noch wohin er geht.
Wir müssen nicht glauben, dass alle Wunder der Natur nur in anderen Ländern und Weltteilen seien. Sie sind überall. Aber diejenigen, die uns umgeben, achten wir nicht, weil wir sie von Kindheit an, tä …
— Johann Peter Hebel
Des Sommers Wochen standen still, es stieg der Bäume Blut; jetzt fühlst du, dass es fallen will in den, der alles tut.
— Rainer Maria Rilke
Mai: Dieser Monat ist ein Kuss, den der Himmel gibt der Erde, dass sie jetzund seine Braut, künftig eine Mutter werde.
— Friedrich von Logau
Die Pracht der Gärten hat stets die Liebe zur Natur zur Voraussetzung
— Germaine Madame de Stael
Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen.
— Bertolt Brecht
Liebe tröstet, wie Sonnenschein nach Regen.
— William Shakespeare