770 Sprüche — Seite 20
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Der Adler fängt keine Mücken
Im Juni kühl und trocken gibt's was in die Milch zu brocken.
Wie kahl und jämmerlich würde manches Stück Erde aussehen, wenn kein Unkraut darauf wüchse.
— Wilhelm Raabe
Selbst die Ameise ist sechs Fuss hoch - an ihrem eigenen Fuss gemessen.
Wie schön die Blätter älter werden. Voller Licht und Farbe sind ihre letzten Tage.
— John Burroughs
Rein wie das Täubchen, klar wie der Bach, fließe dein Leben ohn' Ungemach.
Es deutet die fallende Blüte dem Gärtner, dass die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht.
— Johann Wolfgang von Goethe
Die Natur beginnt immer von neuem mit den gleichen Dingen: den Jahren, den Tagen, den Stunden.
— Blaise Pascal
Ein Verliebter betrachtet eine Blume mit anderen Augen als ein Kamel.
Alles, was Natur an Gutem schenken kann, schenkt sie uns in Fülle. Und dazu die Begabung, all das zu genießen
Die See kann nicht mit einem Scheffel gemessen werden.
Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Es ist jedesmal ein anderer.
Fehlen Fliegen auf dem Klo, sind sie wohl grad anderswo.
Sagt das Schwein beim Schlachten: 'Au!' knurrt der Bauer: 'Dumme Sau!"
Bevor die Sau ins Schlachthaus geht, versucht sie's rasch noch mit Diät!
Wenn die Gans das Wasser sieht, so zappelt ihr der Steiß.
Ein regenloses Jahr ist wie eine Mutter, deren Tochter starb
Im Stein wird die Bewegung nicht früher geendet, bis er auf dem Boden liegt. Ebenso tun alle Geschöpfe: Sie suchen ihre natürliche Statt.
— Eckhart von Hochheim
Ist an Kathrein das Wetter matt, kommt im Frühjahr spät das grüne Blatt. (25. Nov.)
Die Natur schafft die Begabung, und das Schicksal hebt sie heraus.
— François de la Rochefoucauld